Von Adolf Metzner

Warum denn Streit um die Mensur, sie sei doch auch nur eine Sportübung wie viele andere und zudem noch ungefährlicher als Boxen – so etwa argumentieren manche Befürworter in der augenblicklichen Auseinandersetzung. Um es ganz deutlich zu machen, sprechen sie von der „Sportmensur“ – vom Zweikampf will man nichts mehr wissen, auch von der Mutprobe ist keine Rede mehr, so muß jetzt der Sport herhalten.

Ob die Mensur noch in unsere Zeit gehöre oder nicht, darüber haben wir hier nicht zu rechten noch wollen wir in der mit so viel Emotion geladenen Auseinandersetzung Partei ergreifen. Wir meinen nur, daß jene schlecht beraten waren, die das Argument von der Sportübung zur Verteidigung dieses alten studentischen Brauchtums in die hitzige Debatte warfen. Der romantikumwitterte blutige Paukboden läßt sich auch nicht durch die eleganteste Volte plötzlich in einen harmlosen Sportplatz verwandeln. Zu einem solchen Zauberkunststück kann es nur kommen, weil es eine exakte Definition des Phänomens Sport nicht gibt. Deswegen warten mancherorts die Schützen noch ’darauf, in die Landessportverbände aufgenommen zu werden, da bezweifelt wird, ob es sich bei dieser Species wirklich um Sportler handelt. Aber hier haben die Sportschützen, die schließlich in Rom einen ausgewachsenen Olympiasieger stellten, es nicht zuletzt dem Gebaren mancher der so reich dekorierten Schützenkönige zu verdanken, daß sie so zu Unrecht in Mißkredit gerieten.

Noch schwerer hatte es jener geplagte Richter, der entscheiden mußte, ob Minigolf – ausgeschrieben Miniaturgolf – Sport sei. Es ging hierbei allerdings nicht um die Ehre der Kleingolfplatz-Besitzer, in die große Sportorganisation aufgenommen zu werden, sondern um härtere Tatsachen, nämlich darum, daß sie glaubten, zu Unrecht Lustbarkeitssteuer zu zahlen und sich von dieser Last befreien wollten. Wenn Minigolf rechtlich als Sport angesehen wird, können nämlich seine Initiatoren wie gemeinnützige Unternehmen, zu denen die Sportvereine ja zählen – von dieser besonders unbeliebten Abgabe befreit werden. Der Prozeß zog sich sehr in die Länge, was nicht verwunderlich war, aber schließlich und endlich wurde doch entschieden, Minigolf sei als ein Sport zu betrachten.

Keine klare Begriffsbestimmung

Das Urteil hat vielleicht im Zeichen des Recreationsports – des Sports für jedermann – schon das Ergebnis kommender Entwicklungen vorweggenommen. Ob es der Revision standhält, wird sich zeigen. Lebensäußerungen, wie der Sport, lassen sich von jeher schlecht in das Prokrustesbett einer klaren Begriffsbestimmung pressen. Geht man aber so vor, daß man gleiche charakteristische Kennzeichen aufspürt, kann man in den meisten Fällen doch eine Entscheidung treffen.

Allen Sportübungen ist zum Beispiel gemeinsam, daß in einem Wettkampf nach Regeln um den Sieg gestritten wird, wobei bestimmte körperliche Fertigkeiten ausgebildet werden, die unmittelbar keinem Zweck dienen. Wettkampf bedeutet, daß Sport im letzten kein „Ernstfall“ sein soll, bei dem etwa das absichtliche Herbeiführen von Verletzungen und Wunden erlaubt ist. Ebenso bedeutet Wettkampf, daß es keine Konkurrenz bis zur völligen Erschöpfung ohne Begrenzung der Strecke oder der Zeit geben darf. Ein Erschöpfungszustand kann genau wie eine Verletzung zwar einmal eintreten, etwa wenn die Kräfte falsch verteilt wurden, aber sie darf nach der Regel den Kampf nicht entscheiden.