Freilich sind an Sonnabenden fast alle Behörden geschlossen, wie auch viele Betriebe am letzten Wochentag nicht arbeiten. Praktisch ist daher der Sonnabend zu einer Art Feiertag geworden. Trotzdem laufen an Sonnabenden immer noch behördlich bestimmte oder gesetzlich vorgeschriebene Fristen ab. Daraus folgern viele Bürger durchaus wirklichkeitsnah, daß sich die Frist dann auf Montag verlängere, weil nach dem Gesetz der Fristablauf automatisch hinausgeschoben wird, wenn die letzte Frist auf einen Sonntag oder einen staatlich anerkannten Feiertag fällt. Diese Annahme ist jedoch irrtümlich, weil der Sonnabend noch nicht als gesetzlicher oder staatlich anerkannter Feiertag gilt.

Das erwies sich für einen besonders ängstlichen Bürger als häßliche Fallgrube. Er wollte am Sonnabend, an dem die Frist ablief, seine Beschwerde gegen eine Amtsmaßnahme persönlich abgeben, weil er der Post nicht traute. Das Amt war jedoch geschlossen. So nahm er seine Beschwerde getrost mit nach Haus und brachte sie am Montag zum Amt, weil er ja am Sonnabend keine Möglichkeit zum Abgeben gefunden hatte. Das wurde jedoch nicht anerkannt, seine Beschwerde wurde wegen Fristüberschreitung verworfen.

Gerade in Steuersachen ist da größte Vorsicht geboten; denn der Bundesfinanzhof hat im Urteil vom 28. 9. 1961 (in HFR 1962 S. 43) erst wieder erklärt, daß nicht einmal Nachsicht gewährt werden könne, wenn eine am Sonnabend abgelaufene Frist nicht gewahrt sei. Die Gerichte sind in dieser Hinsicht deswegen so streng, weil sie sagen, es sei keineswegs nötig, Fristsachen auf den letzten Tag zu verschieben. Deshalb wird in vielen Betrieben in Terminkalendern der Tag vor dem Fristablauf als letzter Termin vermerkt, damit auf keinen Fall eine Panne auftreten kann. Durch Fristversäumnis kann man nicht nur viel Geld, sondern auch unersetzliche Rechte verlieren, die nie wiederzuerlangen sind. M.