Bonn, im Mai

Alle Welt will testen, denn testen ist Mode geworden. Die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AGV) sondiert schon seit Jahren das Terrain für den Warentest und will in Kürze die ersten eigenen Teste veröffentlichen. Mit Erfolg rüttelt auch die Zeitschrift DM Verbraucher und Produzenten wach. Und nun erwägt sogar die Bundesregierung „die Schaffung einer Einrichtung zur Durchführung von Warentesten“. „Das Publikum, das faule, will geführt werden“, erklärt Ministerialrat Dr. Voigt dazu, Leiter des Referats „Verbraucheraufklärung“ im Bundeswirtschaftsministerium. Er wurde beauftragt, die Rechtsform für die geplanten Verbraucher-Querschnitt-Tests auszuarbeiten und dem Bundestag darüber zu berichten.

Mit leisem Verdruß begrüßte die AGV die staatliche Initiative. Die Idee, dem Verbraucher objektive „Einkaufshilfen“ an die Hand zu geben, hatte sie schon lange. Allein es fehlte die finanzielle Unterstützung. Auf Bitten dieser Art hatte das Bundeswirtschaftsministerium bisher skeptisch reagiert.

Da erschien jedoch die DM auf dem Markt. Ohne große Vorsichtsmaßnahmen veröffentlicht sie ihre Testergebnisse und – führt die Prozesse hinterher. „Die Vorarbeit, die da geleistet wurde, ist dankenswert“, meint Dr. Voigt. „Dort werden jedoch wirtschaftliche Erfahrungen verkauft und damit Geld verdient. Was wir brauchen sind unabhängige Warentests, ohne Effekthascherei.“

Die Sorge des Dr. Voigt gilt der Objektivität Er meint: „Die schwierigste Frage bei den Querschnitt-Tests ist die nach den Gutachtern.“ Vorerst ist in Bonn nicht geplant, ein eigenes Testinstitut aufzubauen. Die Aufträge sollen an selbständige Anstalten vergeben werden. „Aber wie unabhängig sind zum Beispiel die Landesgewerbeanstalten? Zu fünf Prozent werden sie vom Land finanziert, die übrigen 95 Prozent müssen sie mit Gutachten einholen. Sobald sie für die Verbraucher testen, müssen sie fürchten, ihre Auftraggeber aus der Industrie zu vergrämen.“ Im Augenblick jedenfalls ist alles graue Theorie, denn Geld ist dafür nicht vorhanden. Der Bundestag hat noch nichts bewilligt. Doch Gedanken macht man sich schon viel.

Nachteilig sind nach der Meinung des Bundeswirtschaftsministeriums daher auch die Firmenanzeigen bei der Publizierung der Tests. Wiederum wird auf das Beispiel der „DM“ verwiesen. In einem Waschmaschinen-Test beurteilte sie unter anderen einen Automaten eines Versandhauses und schrieb: „Unser Einkaufspreis betrug 1222 DM.“ Die Antwort des Versandhauses konnte der interessierte Verbraucher in einem der nächsten Hefte in Form einer Anzeige lesen. Da hieß es: „Diese Angabe ist unvollständig, denn der Grundtyp kostet nur 968 DM ...“ – „Keine Anzeigen“, erklärt Dr. Voigt nun.

Gedanken macht er sich auch über die Maßstäbe, nach denen getestet werden soll. „Konsumgüter allein in der Relation von Qualität und Preis zu beurteilen, ist nicht objektiv genug. Wichtig ist auch der Bedürfniszweck, das große oder kleine Portemonnaie, die Größe des Haushalts und viele andere Dinge.“