Der Brüh ne-Prozeß steckte voller Verdrießlichkeiten – Erinnerungen an das Rohrbach-Urteil

München

Nun endlich steht also die Urteilsverkündung bevor, wenngleich der Spruch des Gerichts auf keinen Fall rechtskräftig werden dürfte: Entweder – bei Lebenslänglich wegen zweier in Mittäterschaft begangener Verbrechen des Mordes – gehen die Angeklagten Vera Brühne und Johann Ferbach in die Revision, oder aber – bei Freispruch – der Staatsanwalt.

Jetzt, nachdem die Beweisaufnahme beendet ist, kann man nicht umhin, festzustellen, daß es alles in allem ein verdrießlicher Prozeß gewesen war. Natürlich litt das Verfahren von vornherein daran, daß die ersten Ermittlungen so unbeschreiblich stümperhaft geführt wurden, von jenem Polizisten Rodatus, der fix feststellte, Dr. Otto Praun habe zunächst seine Haushälterin und anschließend sich selber erschossen, und der dann, als Zeuge vor Gericht, sensibel wurde und unter Tränen seine Kollegen bezichtigte, sie hätten auch gepfuscht und seien inzwischen befördert worden, während er den Dienst quittieren mußte.

Automatisch verdächtig

Für den unbefangenen Beobachter wirkte vor allem die Art verdrießlich, wie Vera Brühne sich selber und ihren Ferbach auf die Anklagebank brachte. Ernstlich vernommen wurde sie zum ersten Male acht Monate nach der Tat, als die Akte von Rodatus in die Hände fähigerer Beamter übergegangen war. Als Freundin Prauns und vor allem, weil der Arzt ihr ein Grundstück in Spanien hinterlassen hatte, gehörte sie automatisch dem Kreis der Verdächtigen an – einem Kreis, der ein gutes halbes Dutzend Personen umfaßte.

Sie wurde also gefragt: Wo waren Sie denn an jenem Tage? Und hurtig sprudelte sie ihr Alibi hervor: Zuerst hier, dann dort, später fuhr ich nach Bonn, und folgende Personen können bezeugen, daß sie mit mir in der Nacht gesprochen haben. Die Angaben wurden routinemäßig überprüft und – stimmten nicht.