Schon wer meinen Platz zu behaupten sucht und sich der allgemeinen Regression nicht anschließen möchte, scheint in einer fliehenden Menge vorzudringen: er wirkt als Störenfried. So ist der Begriff des Fortschritts denen ein Hindernis, die den Rückschritt praktizieren.

Hans Magnus Enzensberger

Prix Formentor

Für Dacia Mariani, die jüngst auf Mallorca den "Prix Formentor" zugesprochen bekam, scheint sich diese Auszeichnung unterdes in einen Preis der Qual verwandelt zu haben. Es geschah in Rom. Dort, in der Buchhandlung des Verlag Einaudi, kommentierte Alberto Moravia, italienischer Mallorca-Juror, den Formentor-Preis. Als die Rede, nach Uwe Johnson, auf Dacia Mariani kam, mußte Moravia sich sagen lassen, er habe ein schwaches Talent gefördert. Giancarlo Vigorello sagte: "Der Preis für Fräulein Mariani ist eine Episode literarischer Unmoral. Sie ist, gelince gesagt, unreif. Wir haben uns für den Mißgriff zu schämen." Ein Student zeigte sich von Moravia enttäuscht, dem sogar das schnöde Wort "Korruption" an den Kopf geworfen wurde. Die arme Dacia Mariani mußte sich das alles mit anhören und lief schließlich weinend davon. Wie schrieb Adolf Frisé (in Nr. 19 der ZEIT)? "Ein Manuskript, vorzeitig ins Scheinwerferlicht gerückt, wird einer bösen Gefahr ausgesetzt." Die Verfasserin desselben auch.

Wer hat noch nicht...

Nach den Münchner Kammerspielen, zu deren Dramenwettbewerb bis Ende März rund 600 Manuskripte eingereicht wurden, veranstalten nun auch das Bayerische Staatsschauspiel und der Kurt Desch Verlag zusammen einen Dramenwettstreit. Zur Teilnahme werden Autoren aufgefordert, die bisher in Funk oder Fernsehen Beachtung gefunder, aber noch kein Bühnenstück geschrieben haber. Die beiden besten Werke sollen mit 4000 und 2000 Mark prämiiert und im Staatsschauspiel uraufgeführt werden. Die Manuskripte müssen allerdings bereits bis zum 30. Juni des Jahres bei Desch in München eintreffen. Also: am besten gleich in die Maschine diktieren.

Nicht, so hungrig