Von Edmund Wolf

wenn Nationalismus zu rasch Erfolg hat, so besteht eine gewisse Gefahr, daß neue Regierungen ausgebeutet werden von Afrikanern, die Scharlatane sind, unausgereifte Intellektuelle und Analphabeten mit politischen Ambitionen.

Es sind nur wenige Jahre her, seit John Gunther diesen Satz in seinem Afrikabuch schrieb. Er. hat keinen Grund, etwas davon zurückzunehmen. Heute gehört aber schon mehr Courage dazu, eine so schlichte Wahrheit einfach hinzuschreiben. In diesen wenigen Jahren sind so viele neue – wie soll man sie nennen? – Nationen? – in Afrika hinzugekommen, in deren Namen man sofort als das Ebenbild des Buren mit der Nilpferdpeitsche gebrandmarkt wird, wenn man nur flüstert, daß die Fähigkeit, technologische Demokratie zu manipulieren, nicht wie Manna vom Himmel fällt. Haben wir selbst, wir sogenannten Weißen, diese Fähigkeit bisher doch so wenig gelernt, daß wir jeden Augenblick daran sind, die Trümmer der Welt jenen Astronauten nachzuschicken, die im Weltraum um sie herumrasen.

Die neuen Nationen hungern und dürsten danach – Menschen sind nun einmal so, auch in Afrika – sich im Handumdrehen mit den Attrappen der funkelnagelneuesten Zivilisation zu umgeben. So groß die Armut auch ist – die neue Regierung empfindet, daß sie sich ohne Fernsehen nicht sehen lassen kann; so wie eine neue Fahne, eine neue Nationalhymne – so braucht man auch Fernsehen, sonst ist man nicht richtig unabhängig, nicht vollwertig.

Man kann auch behaupten, daß in Ländern, deren Bevölkerungen zum größten Teil aus Analphabeten bestehen, Fernsehen das Erziehungsmedium par excellence sei. (Es wird ja auch in Europa und in Amerika von manchen behauptet, daß die Stunde des Buches geschlagen habe und wir daran seien, zur Bilderschrift zurückzukehren – nur, auf dem glorreichen Wege des Fortschritts, zur Schrift der Bilder, die sich bewegen, und so per aspera ad astra!)

Jedenfalls entstehen in den neuen afrikanischen Staaten hochmoderne Fernsehanlagen. Und was dann? Der Fernsehmoloch will mit sehr viel Geld und sehr viel programmschaffenden Arbeitskräften gefüttert werden. Die Programmschaffenden sind nicht da, und Geld ist knapp. Um die Programmzeit zu füllen, muß also billigste Massenware angekauft werden. Die Folgen sind verheerend.

Wenn eine Filmserie über Golfspielen auf Konto „Erziehung“ für Afrika angekauft wird, so kann man darüber noch lachen. Aber der Appetit von Afrikanern läßt sich durch Kulturfilme und Naturfilme und selbst durch Filme über Golfspielen nicht befriedigen; darin unterscheiden sie sich nicht von Deutschen, Engländern oder Amerikanern. Und so sind sie einer Sturzflut von Wildwestfilmen ausgesetzt.