Von Willi Bongard

„Kreide-Aktien müßte man haben!“

„Wieso ausgerechnet Kreide-Aktien?“

„Sehen Sie sich doch bloß die Kurstafeln an!“

Der Börsenwitz zündet nur mit Gebrauchsanweisung. Man muß dazu wissen, daß die Kurse an den deutschen Börsen – wie zu Urgroßvaters Zeiten – mit Kreide auf großen Schiefertafeln notiert werden. Der Kreideverbrauch der Kursmakler dürfte in diesen Wochen tatsächlich alle Nachkriegsrekorde gebrochen haben.

Erst waren die Kurstafeln mit Minuszeichen gespickt, kurz darauf wieder mit Pluszeichen übersät – von den eigentlichen Kursnotierungen ganz zu schweigen. Mir kamen, als ich das Parkett der Frankfurter Börse wieder einmal betrat, unwillkürlich Erinnerungen an den Algebra-Unterricht. Wie war das doch noch gleich? „Minus mal minus gibt plus.“ In die Sprache der Börse übersetzt: „Die Baisse macht die Hausse.“ Das scheint mit der, oder wenigstens ein Schlüssel zum Verständnis dessen, was sich in den letzten Tagen an unseren Börsen abgespielt hat.

Deutlicher noch macht es die „Paternoster-Theorie“ meines alten Börsen vertrauten: Ist man erst einmal im Erdgeschoß angelangt, kann es nur noch durch den Keller wieder nach oben gehen! Auf dem Weg zum Keller freilich heißt es die Nerven behalten.