Die Demokratisierung der Geschäftsbanken schreitet unaufhaltsam voran. Vor wenigen Jahrzehnten noch exklusive Institute mit exklusiven Geschäften und exklusiven Kunden bemühen sie sich heute auch um jene Sparten, die sie früher weitgehend den Sparkassen überließen. Das hat seine guten Gründe: Die gesellschaftliche Struktur hat sich in den Nachkriegsjahren so sehr verändert, daß es geschäftspolitisch bedenklich wäre, diesen Wandel zu ignorieren.

Sichtbaren Ausdruck fand diese Entwicklung vor drei Jahren, als sich die Geschäftsbanken nach angelsächsischem Vorbild mit dem persönlichen Kleinkredit einen neuen Geschäftsbereich erschlossen, der vor und hinter den Schaltern zum Umdenken zwang. Die Kleindarlehen bis zu 2000 DM mit einer Höchstlaufzeit von zwei Jahren waren gewissermaßen der Startschuß für den genormten Massenkredit. Der Erfolg rechtfertigte diesen Entschluß.

Vor diesem Hintergrund ist es Zu verstehen, daß die Großbanken, Regionalbanken und Privatbanken jetzt das Beispiel der Sparkassen und der Gemeinwirtschaftsbank aufgriffen und dem Kleinkredit das sogenannte Anschaffungsdarlehen „anhängten“. Das Anschaffungsdarlehen ist für jene Bundesbürger gedacht, deren Finanzierungsbedarf über 2000 DM hinausgeht. Es dient, wie der „Bundesverband des privaten Bankgewerbes (e V.)“ erklärte, für die Finanzierung von Ausgaben zwischen 2500 und 6000 DM, also für den Kauf von Kraftfahrzeugen, Wohnungseinrichtungen..

Auch hier handelt es sich um ein genormtes Darlehen:, die Konditionen sind einheitlich. Die Kreditkosten liegen bei monatlich 0,32 % des ursprünglichen Darlehensbetrages, ein Satz, der sich mit den Bedingungen der Sparkassen deckt. Die jährliche Effektivverzinsung beträgt also je nach Laufzeit 6 1/2 bis 7 1/2 %. Hinzu kommt noch eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 2 %.

Daß die Anschaffungsdarlehen dem Ratenkauf Auftrieb geben werden, ist kaum zu befürchten. Viel eher ist mit einer Umverteilung der Konsumentenkredite zu rechnen. Der Vielzahl jener unkontrollierten Geldgeber, die über verlockende Anzeigen mit gutgläubigen und unerfahrenen Bundesbürgern ihr Geschäft machen, wird es künftig jedenfalls schwerer fallen, „billiges Bargeld“ an den Mann zu bringen. lz