gr., Köln

Politik ist Politik und Kirche ist Kirche. Aber hier ist von einem christlichen Politiker die Rede, der zwischen den Konfessionen steht... In der Rheinmetropole gibt es sechs Landtagswahlkreise. Für die Landtagswahl am 8. Juli stellte die CDU fünf katholische Kandidaten auf und – im Wahlkreis V, Köln-rechtsrheinisch – einen evangelischen. Dieser Kandidat, der technische Angestellte Gustav Ehwald, trat kürzlich zurück, legte alle Parteiämter nieder und erklärte seinen Austritt aus der CDU. Er war über „das hohe C“ im Parteinamen gestolpert, obwohl er immer noch vorgibt, daß er „in einer echten Union der Christen, im Wirken für unseren Staat und unser Volk, die einzige Möglichkeit sehe, ein echtes christliches Ordnungsbild zu verwirklichen“.

Aber das war es gar nicht, was die Kölner CDU von Gustav Ehwald hören wollte. Alle Bekenntnisse nützen ihm nur wenig, nachdem man einmal festgestellt hat, daß er in einer Ehe lebt, die zwar evangelisch ist, aber nicht „christlich“. Denn sie wurde nicht in der Kirche geschlossen, sondern nur vor dem Standesbeamten. „Aus Gewissensgründen“, sagt Ehwald. Denn seine Frau ist katholisch, ihre erste Ehe wurde geschieden.

Neun Jahre lang hatte Ehwald für die Partei gearbeitet. An seinem Privatleben hatte derweil niemand Anstoß genommen. Er gehörte dem Vorstand der Kreispartei, des Sozialausschusses und des Evangelischen Arbeitskreises der CDU an. Am 20. Februar dieses Jahres schlug ihn die Kreisgruppen Versammlung der CDU als Kandidaten vor. Drei Tage später wurde dieser Vorschlag von der Delegiertenversammlung bestätigt. Ehwald begann in seinem Wahlkreis mit den Vorbereitungen zur Landtagswahl – bis er am 3. Mai zu einem Gespräch in die Geschäftsstelle der Kölner CDU gebeten wurde.

Dort hatte man sich inzwischen besorgt gefragt: „Wie ist es mit seiner Ehe? Ist die wohl in .Ordnung?“ Denn es war ruchbar geworden, daß der Kandidat in einer Mischehe ohne den Segen der Kirche lebt. Ehwald konnte das nur bestätigen, meinte jedoch, das sei kein Grund, um Bedenken gegen seine Kandidatur anzumelden. Der Kölner CDU-Chef Kurt Schmelter freilich war anderer Meinung. Um ganz sicher zu gehen, wollte er die Meinung der evangelischen Kirche einholen, da der Kandidat für den Wahlkreis V der einzige Kölner Repräsentant protestantischen Glaubens sei.

Ehwald meinte: „Ich bin zwar ein gläubiger Protestant, aber in dieser Sache interessiert mich das Einverständnis meiner Kirche nicht. Das muß doch eine Entscheidung der Partei sein.“ Aber er war nicht gefragt. Und die evangelische Kirche verlautbarte: „Der Kandidat lebt zwar – nach evangelischer Auffassung – in einer gültigen Ehe, aber sie ist nicht christlich.“ Deshalb hielte sie es nicht für gut, ihn als evangelischen Kandidaten aufzustellen. Der CDU-Chef Schmelter ging sogar noch weiter. „Ehwald lebt in einer wilden Ehe“, sagte er. „Er darf nicht Taufpate sein und darf nicht Presbyter werden.“

Ehwalds Ehe als „wild“ zu bezeichnen, ist wiederum katholische Ansicht, wenn sie auch nur bedingt richtig ist: Laut römischen Kirchenrecht handelt es sich um eine ungültige Ehe im Fall des katholischen Ehepartners. Eine „wilde Ehe“ oder – wie es offiziell heißt – ein Konkubinat ist es darum noch lange nicht, da der „Wille zur Ehe“ bei Ehwald vorhanden ist. Da derartige Beteuerung gen jedoch sinnlos waren, verabschiedete sich der Kandidat von seiner Partei. „Wir fühlen uns bei dieser Entscheidung sehr sicher“, sagte CDU-Chef Schmelter,