Von Petra Kipphoff

Weissenhäuser waren den anderen dadurch klar überlegen, daß sie. wußten, wie man Menschen und Dinge anfaßt, die man bergen will.“

So steht es in einem Bericht der Mobil Oil A. G., geschrieben kurz nach der großen Flutkatastrophe, die dieses Frühjahr über Norddeutschland hereinbrach.

„Die Weissenhäuser“ – wer ist das? Wenn man kurz hinter Lübeck von der Autobahn herunterfährt, kommt man auf die Bundesstraße 207, die weiter gen Norden bis nach Großenbrode führt. In Kurven schlängelt sie sich durch das flache Land, von Rapsfeldern eingefaßt und durch hohe Büsche fein unübersichtlich gemacht.

In dieser Gegend schaut alles immer ein bißchen zerzaust aus: der gelbe Löwenzahn und die schwarzen Krähen. Kurz vor Oldenburg biegt man links ab, fährt dann parallel zum Strand der Hohwachter Bucht, biegt wieder links ab und ist da. Zwischen alten Linden inmitten eines großen Parks liegt Schloß Weissenhaus.

Was sich hier recht zahlreich durch die Gegend bewegt, sieht nicht so ganz nach Schloßherren aus: Jungen, zwischen fünfzehn und zwanzig Jahre alt, in blauen Hosen und Segelblusen. Eine Gruppe spielt Volleyball, eine andere turnt auf dicken Seilen (Tampen heißen sie in der Seemannssprache) und Netzen, die zwischen den Lindenstammen gespannt sind, und eine dritte sah ich schon am Strand mit dem Abtakeln eines Segelbootes beschäftigt.

Ich gehe die halbrunde Schloßauffahrt hoch und ins Schloß hinein. Da steht mitten in der Empfangshalle auf dem Parkettfußboden ein Tischtennistisch. Frühere Schloßbewohner schauen erstaunt von der Wand herab. Wer weiß, vielleicht würden sie sich gern ihrer Stulpenstiefel und Krinolinen entledigen und mitmachen?