„Tempi nostri“ (Italien; Verleih: Neue Filmkunst): Alessandro Blasetti, der versatile Vor- und Mitläufer des Neorealismus, drehte diesen Film 1953 als Gegenstück zu seinen ein Jahr zuvor entstandenen „Altri tempi“. Fünf Perlen neuer italienischer Erzählkunst – der Vorspann nennt unter anderen Alberto Moravia, Vasco Pratolini und Giuseppe Marotta – sind als bunt schimmernde Kette aneinandergereiht. Der Film steht ziemlich in der Mitte zwischen den kruden Manifestationen des frühen Neorealismus und dessen stereotyp vulgärer Note, wie sie etwa in der „Brot, Liebe und .. .“-Serie so deutlich war. Es kommt diesem Film nicht so sehr auf das Elend – in diesem Fall einer kinderreichen Proletarierin, einer alten Wäscherin, eines verarmten Grafen – an, als vielmehr auf die pointierten Äußerungen, zu denen es Anlaß gibt. Zum wahren Genuß wird diese Film-Erzählung durch die glänzenden Leistungen der Schauspieler. Allen voran und gleich in zwei Hauptrollen brilliert Vittorio de Sica.

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„Hinter feindlichen Linien“ (USA; Verleih: United Artists): Der amerikanische Film über den Koreakrieg weicht vom üblichen Schema ab. Während sonst der Krieg als grandioses Spektakel erscheint, in dem sich der einzelne bewähren muß, begnügt sich hier der Regie-Neuling Dennis Sanders damit, eine ungewöhnliche und leicht makabre Geschichte zu erzählen, die weder psychologisch untermauert noch moralisch verwertet wird. Eine Schlußfolgerung freilich drängt sich auf, und das ist die, daß der Krieg in den Wahnsinn führt wie bei jenem US-Soldaten, der nachts hinter die feindlichen Linien schleicht und dem Feind ein spitzes Messer in den Rücken sticht. Wie ein Tier umkreist er schnuppernd und heulend das tote Opfer und muß anschließend einen Militärmarsch pfeifen. – Eine Gruselmär wurde daraus nicht. Dafür sorgte die undramatische, kühl und sachlich berichtende Regie Dennis Sanders. kub

„Klarer Himmel“ (UdSSR; Verleih: Pegasus-Film): Dies ist, nach dem „Einundvierzigsten“ und der „Ballade vom Soldaten“, der dritte „Tauwetter-Film des jungen russischen Regisseurs Grigori Tschuchrai. Er und Drehbuchautor Chrabrowizki unterziehen sich mit erzählerischem Geschick dem Unterfangen, in anderthalb Filmstunden die Geschichte eines Fliegers und seiner Geliebten vom Ausbruch des „vaterländischen Krieges“ bis in die Zeit nach dem 20. Parteitag (1956) zu verfolgen. Der Pilot wird während des Krieges als Sowjetheld gefeiert, dann schießen ihn die Deutschen ab, und er gerät in Gefangenschaft. Nach dem Sieg verfällt er der parteiamtlichen Ächtung, weil er nach seinem Abschuß nicht befehlsgemäß Harakiri verübt hat. Er wird zum Fabriklehrling degradiert und ergibt sich dem Trunk. Erst nach der offiziellen Verurteilung des Stalinismus erhält er Orden und Ehren zurück. Die Auseinandersetzungen des zweiten Teils geraten mitunter zu papieren. Die Farbphotographie von Tschuchrais erstem Film war weitaus progressiver. Dieser hier leidet offensichtlich unter der Abwesenheit des Kameramanns Urussewski. ktl