NORDDEUTSCHER RUNDFUNK

31. Mai, der Jazz:

Von der einleitenden „Aufwärmmusik“ und dem Schlußstück abgesehen, gab es kaum Leerlauf in dem zweieinhalbstündigen Eröffnungskonzert des 8. Deutschen Jazzfestivals in Frankfurt. Die Hamburger Jazz-Werkstatt, vom Intendanten der Hamburger Staatsoper, Liebermann, gegründet, sollte sich in Zukunft häufiger Luftveränderungen gönnen. Auch dann, wenn ihr keine so große Besetzung (im doppelten Wortsinn) zur Verfügung steht, wie diesmal. Mit besonders eindrucksvollen Leistungen wartete unter den zwölf Musikern aus sieben Ländern die Saxophongruppe auf. Die Bemühungen von Klaus Doldinger, Hans Koller, Lucky Thompson und Ronnie Ross um Ausweitung der Tonalität gerieten nie in Gefahr der Intellektualisierung – wie denn überhaupt das 25. Jazz-Workshop-Konzert nicht im Zeichen des Experiments um jeden Preis stand, sondern von überzeugender Musizierfreudigkeit getragen war.

Die Rhythm-Section sorgte für sehr interessante rhythmische Konfliktbildungen, und Ingfried Hoffmann bewies, daß die unstrittene elektrische Orgel, mit Delikatesse und Geschmack gehandhabt, durchaus ein legitimes Jazzinstrument sein kann.

Es ist anzunehmen, daß einige der für Frankfurt geschaffenen Kompositionen, wie Thompsons „The birth of sunday“, sich über den Anlaß hinaus behaupten werden. Bke.