Von Eka von Merveldt

Die Welt lächelt Ihnen zu... Fliegen Sie in ihre Arme. Die Flugtouristik 1962 steht unter dem Zeichen des Jets. Die Jet-Revue

In Südostasien ist die Lage unübersichtlich. Auch die Reise des Bildungstouristen kann daher plötzlich zum Abenteuer werden. In Bangkok las ich in der Zeitung, daß ein Tourist, der die Ausgrabungsstätten unweit von Saigon besucht hatte, in den Tempelbezirken, unauffindbar verschwunden sei. Die Meldung deutete an, kommunistische Partisanen pflegten sich dort zuweilen „aufzuhalten“. Es gibt nicht wenige Leute in Ostasien, die der Auffassung sind, eine chinesische Vorherrschaft in Südostasien sei nur noch eine Frage der Zeit. Sie würde auch vor Thailand, dem „Land der Freien“, nicht Halt machen.

Aber nun sind die Amerikaner gekommen, um die Freiheit zu verteidigen. Auch auf dem Flugplatz von Saigon wimmelte es von Militärmaschinen. Und an der Absperrung ein großes Schild „Conference des Adultes Education“. Davor standen Mädchen vom Bodenpersonal in der seidenen Nationaltracht: Grüne, bis zur Taille geschlitzte Gewänder über weißen Pluderhosen. Auch hier müssen Erwachsene lernen, was sie als Kinder versäumten.

Der Platz ist viel zu klein. Die große TAI-Douglas Jet mit dem Ziel Tahiti konnte nicht vollgetankt werden, weil ihr Gewicht zu groß geworden wäre bei zu kurzer Startbahn. Daher war auf der großen Reise in die fernen Räume des Südpazifik schon nach einer Stunde in Singapur eine neue Landung nötig. Gestiefelte Polizisten mit englischen Käppies auf den tiefbraunen malaiischen Köpfen hinderten, uns mit englischer Bestimmtheit, den Flugplatz zu betreten. In dumpfer, feuchter Tropenluft blieben wir eine Stunde eingesperrt. Dazu an Bord europäische Kaffeehausmusik. Zigeunerweisen am Äquator. Hart brach die Nacht herein. Die Sonne verschwand in einem Nu, als sei eine Lampe ausgelöscht worden.

Doch diese Nacht war nicht zum Schlafen da. Um 11 Uhr ein Schlemmermahl. Das Flugzeug raste nach Süden. Im Fluggast ein Widerstreit, der ihn wachhält: Zweimal wird er auf dieser Reise in Australien landen; doch dieser fünfte Kontinent wird im Dunkeln liegenbleiben. Die Bordbibliothek hat für die Unruhigen nur ein paar Zeitungen, bunte Illustrierte. Und ein Schachspiel. Aber wem gelingt es schon, sich auf ein Spiel zu konzentrieren in dieser brummenden, über der Erde dahinjagenden Metallkiste? Eingewickelt in eine leichte Wolldecke, lese ich einen Knigge für Asien, den ich in Bangkok fand: 1. Ratschlag: Geduld ... Zu denken, daß wir den Asiaten beispielsweise Technik und Industrie voraus haben, wäre falsch. Dies verführt zu einem unberechtigten Hochmut. 2. Ratschlag: Selbstbeherrschung... Wenn du zornig wirst, empfinden die Asiaten dies als lächerlich. 3. Ratschlag: Klopfe niemandem auf die Schulter. Die Asiaten lieben keine burschikosen körperlichen Berührungen. Manche scheuen sich sogar vor dem Händeschütteln beim Gruß.

Um drei Uhr nachts eine Landung in Port Darwin auf australischem Boden. Ein Flugplatz mit Präriestimmung. Aber zwei sehr englisch aussehende Herren in korrektem Schwarz der Londoner City sitzen hinter kleinen Tischen mit Tafeln „Post“ und „Bank“, nicht etwa hinter Schaltern. Einer der Fluggäste wechselt Geld und gibt ein Telegramm auf, damit die Herren nicht umsonst gekommen sind mitten in der Nacht. Dann gehen alle Passagiere duschen. Das ist Sitte hier.