DIE ZEIT

Sündenbock EWG

Nikita Chruschtschow hat Sorgen. Er, der vor Jahr und Tag mit tönenden Versprechungen sich nicht genug tun konnte, steht nun als der Blamierte da.

Adenauers langer Abschied

Es war – wer wollte es bestreiten – ein großer Auftritt. Eine Stunde lang mochten die Delegierten des CDU-Parteitags am Sonntag geglaubt haben, die Ära Konrad Adenauer sei noch lange nicht zu Ende, und manche von ihnen glauben es wohl heute noch.

Wir sind noch einmal davongekommen

Auf den „Schwarzen Montag“ an der Börse ist ein „Rosaroter Mittwoch“ gefolgt. Erleichtert haben die für die deutsche Wirtschaft Verantwortlichen danach aufgeatmet.

Weekend im Chateau de Charles

Die Wetten über Großbritanniens Beitritt zur EWG standen in Brüssel vor Macmillans französischem Wochenende 2:2. Die ersten handfesten Kompromisse beim Beginn der Einzelverhandlungen bestärkten die Optimisten und machten die Skeptiker etwas weniger skeptisch.

Sie umarmten die Vergangenheit

Pommern ruft nach Recht und Freiheit... Die Oder-Neiße-Linie kann aus Gründen moralischer Selbstachtung nicht hingenommen werden .

Zeitspiegel

„Ich möchte sehr menschlich und offen einiges sagen. Als ich zum erstenmal Bundeskanzler wurde, habe ich meinen Arzt, Professor Martini, gefragt, ob ich trotz meines Alters das Amt ein Jahr lang übernehmen könne.

Nassers zweite Revolution von oben

Ägyptens traditionelle Landestracht, die hemdartige Galebiya, ist noch einmal zu Ehren gelangt. Das alt-arabische Gewand hatte wiederholt den Reformeifer der Regierung Präsident Nassers gereizt.

Grewes Abgang

Botschafter Grewe wird Washington nicht als Freund der Kennedy-Regierung verlassen. Er konstatiert einen tiefgreifenden Wandel in der Einstellung des heutigen Washington gegenüber den vitalen Interessen der deutschen Politik.

Die unmögliche CDU-Reform

Unter dem Titel „Wie verbraucht ist die CDU?“ brachten wir kürzlich eine Analyse von Rüdiger Altmann. Es ging dabei um die Chancen einer Parteireform.

Keine Rebellion, doch mancherlei Murren

Gleich in der ersten Stunde des Parteitags der CDU in Dortmund erstickte Konrad Adenauer alle Rebellionsbestrebungen. Vermutlich wäre jegliches Aufbegehren auch ohne sein rasches Eingreifen nicht über kraftlose – weil nicht organisierte – Ansätze hinausgekommen.

OAS gerät aufs Trockene

Daß sich der Revolutionär in der Bevölkerung bewegen müsse wie der Fisch im Wasser: Diese Lehre haben die OAS-Terroristen von Mao Tse-tung bezogen.

Ein treuer Atlantiker

Rhetorisch brillant, moralisch fest: Italiens Außenminister Piccioni blieb stets gelassen.

Kriminelle Kriminalisten?

Die Zuschauer im Moabiter Schwurgericht wollten ihren Augen nicht trauen. Es war an achten Tag der Verhandlung gegen „Dr. jun.

Begegnung im ersten Stock

Raten Sie mal, wer ich bin?" sagte Sie, als ich vor zwanzig Jahren und zwölf Tagen im ersten Stock der Ortsgruppenleitung das Zimmer des Ortsgruppenleiters suchte.

Bayern: Vera Brühnes letzter Auftritt?

Also keine Zweifel für die Angeklagten, sondern in Mittäterschaft begangener zweifacher Mord aus Habgier und daher lebenslängliches Zuchthaus für Vera Brühne und Johann Ferbach – nach fünfwöchiger Prozeßdauer endete damit die erste Hauptverhandlung in dieser Sache.

Mister Germany 1962

Im Bürgerbräu zu München wurde der „Mister Germany 1962“ gekürt. Eigentlich sind’s zwei: der minderjährige Junior Wolf gang Grandlshofer und der erwachsene Senior Reinhard Lichtenberg – vermutlich kein Nachkomme des Philosophin.

Hamburg: Streik unterm Radarschirm

Der Kellner im Hamburger Flughafenrestaurant kam eilfertig herbei, sich nach unseren Wünschen zu erkundigen. „Schlechtes Geschäft heute“, meinte er und sah sich um.

„Es sterbe der Fußball“

In Chile kämpfen 176 Fußballartisten um die Goldmedaillen und den Goldpokal. Hauptschauplatz ist das 77 000-Mann-Stadion in Santiago, dessen Tribünenbesucher über den Rängen die Schneegipfel der weißen Kordilleren erblicken.

Ist Chile eine Weltmeisterschaft wert?

Bei den Spielen der Chilenen waren es die mit gnadenloser Härte geführten Zweikämpfe, die ohne Rücksicht auf die Gesundheit des Gegners nur den Vorteil erstrebten.

Pegasus im Galopp

Mit einer Auswahl von Gedichten stellte die Zeitschrift „Horizon“ dieser Tage der Öffentlichkeit einen neuen amerikanischen Lyriker vor, der sich Auto-Beatnik nennt.

ZEIT-Berichte aus der Forschung

Freiwilligen Testpersonen, die bisher nicht gegen Pocken geimpft waren, wurden zunächst an zwei Stellen des Oberarms Injektionen gegeben, und zwar einmal mit Interferon, das aus grippeinfizierten Affennieren extrahiert worden war, und einmal mit einer neutralen Kontrollflüssigkeit.

Die Kunst unserer Zeit

Professor Dr. Heinrich Lützeler ist Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Bonn: vielen Bonner Studenten aller Fakultäten durch Anschaulichkeit, Temperament und Allgemeinverständlichkeit seiner „Einführungen“ unvergessen, einer weiteren Öffentlichkeit durch Bücher von „Die christliche Kunst des Abendlandes“ bis zu „Abstrakte Malerei“ bekannt sowie durch vorzügliche Abhandlungen über den Humor, besonders den „köllschen“, welche Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender leider nicht verzeichnet.

Erziehung durch die See

„Die Weissenhäuser“ – wer ist das? Wenn man kurz hinter Lübeck von der Autobahn herunterfährt, kommt man auf die Bundesstraße 207, die weiter gen Norden bis nach Großenbrode führt.

Zeitfragen: WELCHE MUSIK IST ZEIT-GEMÄSS?

Jeder Berufsschreiber kennt die Erfahrung: Worüber man am meisten weiß, darüber zu schreiben ist am schwersten. Nicht nur, und nicht einmal in erster Linie, wegen der selbstverständlichen Rücksichten auf Bekanntes und Bekannte, die in einer publizitätssüchtigen Zeit so vorschnell als Korruption „angeprangert“ werden.

Musik im Widerstreit: Ernest Ansermet gegen die Zwölftöner

Bemerkenswertes: Zusammentreffen: während die Musikweltsich anschickt, den achtzigjährigen Igor Strawinskij zu feiern, der noch vor wenigen Jahren mit der Sensation überraschte, in das bis dahin bewußt gemiedene Lager der Dodekaphonisten überzulaufen, bietet sein bedeutendster früherer Vorkämpfer Ernest Ansermet die nicht geringere Sensation, nachdrücklichst als entschiedener Gegner der Dodekaphonie hervorzutreten.

Zeitmosaik

Auf seiner Jahresversammlung in Speyer hat der deutsche PEN-Club Bruno E. Werner, den Romancier, ehemaligen Feuilletonchef der „Neuen Zeitung“ und späteren Kulturattaché der Bundesrepublik in Washington, zum neuen Präsidenten gewählt.

Wenn Ärzte Patienten werden...

Der Verfasser ist ein Berliner Arzt, dessen (unmittelbar oder mittelbar erworbene) Erfahrungen mit Krebspa tienten ihre besondere Note dadurch gewinnen, daß es sich bei den Patienten um – Ärzte handelt.

Robert Neumann:: Meine Freunde, die Kollegen

Dabei systematisierte sich dieser Internationalismus wie von selbst. Er hatte eine enorme Gabe, Freundschaft zu schenken und Freundschaft zu erwecken; wie die väterliche Textilfabrik vermutlich in jeder wichtigeren Stadt Zweig-Niederlassungen, Vertretungen, Geschäftsfreunde besaß, so besaß dieser unaufdringliche, nirgends anstoßende Mann in jeder Stadt von mehr als fünftausend Einwohnern auf dem weiten Erdball einen Freund – Buchhändler oder Mitglied der lokalen literarischen Gesellschaft oder Redakteur am lokalen Blatt, der dann auf dem Bahnsteig stand, wenn Zweig jene Stadt besuchte, ihn einführte, wenn er den Vortrag hielt, und das dithyrambische Feuilleton schrieb, das dann am nächsten Tag in der lokalen Zeitung stand.

Kleiner Kunstkalender

Victor Pasmore gilt als Führer der englischen Abstrakten, jedenfalls ihres konstruktivistischen Flügels. Er hat erst impressionistisch, speziell pointillistisch gemalt, bevor er sich vor etwa zehn Jahren der Geometrie verschrieben hat.

Der Reisefreund in der Tasche

Das Wort „Führer“ hat im Deutschen einen zweideutigen Klang bekommen: es gibt halt selten gute. Auch beim Reiseführer, dem harmlosesten, stellt sich das Problem, wie autoritär er sein darf.

Erich Pfeiffer-Belli als Gastkritiker:: Aristokratin ohne Eitelkeit

Aus dem alten Europa“ hat Helene von Nostitz einst ihre Lebenserinnerungen genannt. Das alte Europa, in dem „die Lichter noch nicht ausgegangen waren“, liegt heute wie eine Fata Morgana, wie ein mythologisches Ereignis vor unseren zurückgewendeten Augen, farbenfroh und bereits Geschichte, wie es 1960 die große Europarat-Ausstellung in Paris, „Die Quellen des 20.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT die Ergebnisse Stoff- und figurengeschichtlicher Forschung, gesammelt unter lexikographisch geordneten Stichwörtern wie zum Beispiel: Achilleus, Adam und Eva, Ahasver.

Hüben und drüben: Exportartikel

Dieser Wolf Jobst Siedler, den wir mitunter in der ZEIT lesen dürfen, gilt als ein rabiater Rechter, schreibt aber intelligent und witzig.

Theater

„Leichtes Unbehagen“ konstatierte Walther Karsch (Tagesspiegel) gegenüber dieser Inszenierung des steil in Ruhmeshöhen aufgeschossenen Walter Henri (Ausstattung H.

Film

„Tempi nostri“ (Italien; Verleih: Neue Filmkunst): Alessandro Blasetti, der versatile Vor- und Mitläufer des Neorealismus, drehte diesen Film 1953 als Gegenstück zu seinen ein Jahr zuvor entstandenen „Altri tempi“.

Stuttgart als Theaterstadt

Wer von den Württembergischen Staatstheatern spricht, denkt zunächst an die Oper. Zu Beginn der nächsten Spielzeit soll in Stuttgart aber auch ein neuerbautes Schauspielhaus mit einem Museumsstück eingeweiht werden: mit der ersten Fassung der „Ariadne auf Naxos“ von Hofmannsthal und Strauß, die vor fünfzig Jahren in Stuttgart das Licht der Theaterwelt erblickte.

Fernsehen: Kinder der Revolution

Ein sehr merkwürdiger Vorgang: drei ausnehmend begabte und mit dem Gegenstand ihres Tuns sozusagen persönlich befaßte Leute machen eine Fernsehdokumentation über ihrer, aller Schicksal, über die Desillusionierung der roten Intellektuellen nämlich, und die dreiteilige Sache gerät sogar recht nobel; aber keine emotionale Beteiligung kommt auf, keine politische Erhellung, keine geistige Faszination.

Funk

Von der einleitenden „Aufwärmmusik“ und dem Schlußstück abgesehen, gab es kaum Leerlauf in dem zweieinhalbstündigen Eröffnungskonzert des 8.

Bomben auf die Effektenbörse

Der Börsenwitz zündet nur mit Gebrauchsanweisung. Man muß dazu wissen, daß die Kurse an den deutschen Börsen – wie zu Urgroßvaters Zeiten – mit Kreide auf großen Schiefertafeln notiert werden.

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