Bisweilen bin ich etwas zu hitzig. Das ist mein schwacher Punkt. Ich stürze mich oft auf die erste mir günstig erscheinende Gelegenheit, statt die nächste, vielleicht viel günstigere, abzuwarten.

So dachte ich doch neulich, es müßte sehr verlockend sein, als unschuldig Angeklagter in einem Mordprozeß aufzutreten. Zugegeben, es hat seine Reize. Ich will sie nicht leugnen. Bei einem längeren Prozeß aber besteht die Gefahr, daß die allgemeine Anteilnahme am Angeklagten nachläßt. Wer von uns hat schon ein derart dramatisches Innen- und Außenleben, daß er eine sensationslüsterne Öffentlichkeit wochenlang in Spannung halten kann?

Seit neuestem weiß ich, daß es eine viel wirkungsvollere Rolle zu spielen gibt. Man müßte einmal in einem Mordprozeß Kronzeuge sein!

Als Kronzeuge kann man meist nur eine kurze Vorstellung geben, aber dafür hinterläßt man auch einen viel konzentrierteren Eindruck.

Allerdings: so einfach ist es nicht, Kronzeuge zu werden. Mörder haben nämlich eine verständliche Scheu dagegen, ihre Untaten in Gegenwart von Zeugen oder gar Kronzeugen zu begehen.

Da kann man sich höchstens auf einen sehr seltenen Zufall verlassen. Etwa den, daß man im D-Zug Köln–München sitzt, und wie es wieder hell wird nach einem Tunnel, da ist doch der merkwürdige Mensch auf Platz 61 am Fenster, der so intensiv die Rätselzeitung studierte, tot in sich zusammengesunken. Erschossen (erdolcht).

FLN? OAS? BHE? USA? ADAC? Oder wer sonst mag da seine rote (grüne, braune, schwarze) Hand im Spiel gehabt haben?