Im dritten Geschäftsjahr seit ihrer Privatisierung hat die Preußische Bergwerks- und Hütten-AG, Hannover, außerordentlich stark expandiert. In den ersten beiden Jahren mußte sich dieses Unternehmen, an dem die öffentliche Hand heute nur noch zu etwa 14 % beteiligt ist, behutsam von einigen unrentablen Betrieben lösen, die vorwiegend aus außerwirtschaftlichen Gründen durchgehalten worden waren. Aus einem Bergwerkskonzern, zu dem einst auch die Bernsteinförderung in Ostpreußen gehörte, ist allmählich ein vielschichtig gegliedertes Unternehmen entstanden, dessen Transportbetriebe schon jetzt eine beachtliche Position im deutschen Verkehr mit Flüssigkeiten haben. Es ist bezeichnend für die Unternehmenspolitik, daß auch die anderen neuen Tätigkeitsbereiche der Preussag vorwiegend wenig lohnintensiv sind. Diese Entwicklung ist nur zu verständlich, nachdem fast 60 % des gegenwärtigen Konzernumsatzes von der lohnintensiven Nichteisen-Metallförderung und -verarbeitung sowie vom Kohlebereich aufgebracht werden.

Die Produktion von Zink ist im Konzern leicht gestiegen auf fast 89 000 Tonnen, nachdem sie sich in den letzten Jahren immer um etwa 85 000 Tonnen bewegt hatte. Die Bleierzeugung war dagegen weniger stetig. Nachdem 1960 eine Steigerung von 75 000 Tonnen auf 86 000 Tonnen brachte, gab es 1961 einen Rückgang auf 83 000 Tonnen. Das hängt mit einer international vereinbarten Produktionsdrosselung zusammen. In der Steinkohleförderung hat sich die Stilllegung des Reviers von Barsinghausen und Obernkirchen kaum ausgewirkt. Im großen und ganzen bewegte sich die Preussag-Förderung in den letzten fünf Jahren um 2,2 Mill. Tonnen. Stark gestiegen ist dagegen gerade im letzten Jahr die Erdölförderung, nämlich von 506 000 Tonnen auf 601 000 Tonnen. Auch die Erdgaserzeugung zeigt seit vier Jahren eine ansteigende Kurve. Die Kaliförderung fiel dagegen von ihrem Höchststand mit reichlich 100 000 Tonnen im Jahre 1960 auf knapp 95 000 Tonnen Reinkali.

Bei einer Betrachtung der Fremdumsätze in den verschiedenen Konzernbereichen ergibt sich, daß sich seit 1958 das Nichteisenmetallgeschäft ziemlich konstant mit Anteilen zwischen 34 und 38 % hält, wobei das letzte Jahr wieder einen Abfall auf 34 % brachte. Bei der Kohle ist der Umsatzanteil von 32 auf 25 % gesunken. Das Erdöl hat einen Anteil von etwa 23 %. Der übrige Bereich hat sich jedoch kräftig von 11 % im Jahr 1958 auf 18 % 1961 ausgedehnt.

Die ungewöhnliche Ausdehnung der Preussag bringt den Aktionären in diesem Jahr allerdings noch keinen höheren Ertrag. Für sie bleibt es bei der Vorjahres-Dividende von 9 %. Der Konzern hat dafür jedoch an Stelle von 9,45 Mill. DM (1960) diesmal 11,81 Mill. DM aufzubringen da das Grundkapital von 105 auf 157,5 Mill. DM erhöht wurde und die jungen Aktien eine Halbjahresdividende erhalten. 9 % sind zwar keine Spitzendividende, aber sie bedeuten für die alten Aktionäre eine Rendite von immerhin 6 %.

Ein Vergleich des Preussag-Fremdumsatzes (1961 = 634 Mill. DM, 1960 = 592 Mill. DM) mit dem ausgeschütteten Gewinn zeigt, daß sich der Anteil von 1,6 % (im Vorjahr) auf 1,9 % verbessert hat. Damit schüttet die Preussag einen am Umsatz gemessen relativ höheren Anteil aus als das Volkswagenwerk mit 12 % Dividende. Im vorigen Jahr lagen die Prozentanteile von Preussag und VW gleich. Da jedoch Wolfsburg seine Dividendenzahlung von 72 Mill. DM beibehielt, obwohl sich der Fremdumsatz von 4,6 auf 5,2 Mrd. DM erhöhte, sank der Anteil des ausgeschütteten Gewinns von 1,6 auf 1,4 %. Mit dem Gewinnanteil von 1,9 % am Fremdumsatz hat sich die Preussag näher an die Gewinnanteile anderer ähnlich strukturierter Konzerne herangeschoben. So liegen Rheinstahl und Thyssen bei je 2,2 %.

Die Preussag-Expansion des Jahres 1961 ist auf Zukunft gerichtet, sie wirkt sich heute erst in der Bilanzstruktur und in den Investitionen aus. Die Summe der konsolidierten Konzernbilanz ist um 33 % auf 595 Mill. DM gestiegen. Es wirkt sich vor allem die Kapitalerhöhung um 52,5 Mill. DM aus, die vornehmlich für den Ankauf sämtlicher Geschäftsanteile (110,6 Mill. DM) der VTG (Vereinigte Tanklager und Transportmittel GmbH) verwendet wurde. Daneben wurden einige neue Beteiligungen erworben, vor allem die an der „Norddeutschen Salinen GmbH“. An diesem Unternehmen sind weiter die Holding des Landes Niedersachsen, die „Niedersachsen GmbH“ und die „Koninklijke Nederlandsche Zoutindustrie“ – der holländische Partner der Preussag bei der Elektro-Chemie Ibbenbühren – beteiligt. Das Grundkapital wird 18 Mill. DM betragen. Die Gesellschaft soll die Salzinteressen der Beteiligten im norddeutschen Raum koordinieren und die Salzerzeugung durch den Bau einer modernen Vakuumanlage in Stade konzentrieren.

Vielleicht kommt als weitere Beteiligung der Preussag demnächst auch die am Spanplattenwerk Triangel zustande, einer Tochtergesellschaft der „Niedersachsen GmbH“, deren Privatisierung in der letzten Zeit in der Öffentlichkeit gefordert wurde. Mit einem Aufwand von etwa 40 Mill. DM will die Triangel-Holzwerk GmbH in Lübeck ein Zweigwerk errichten. Auf der Pressekonferenz in Hannover bestätigte die Preussag-Verwaltung, daß über eine mögliche Beteiligung seit einiger Zeit verhandelt wird.