Nun wollen auch die Fluglotsen mehr verdienen

Hamburg

Der Kellner im Hamburger Flughafenrestaurant kam eilfertig herbei, sich nach unseren Wünschen zu erkundigen. „Schlechtes Geschäft heute“, meinte er und sah sich um. Das Personal war gegenüber den Gästen weitaus in der Überzahl. Auch unten, in der Abfertigungshalle, war gähnende Leere. An den Schaltern der Fluggesellschaften blätterten die Hastessen gelangweilt in Illustrierten. Zum erstenmal seit die Bundesrepublik nach dem Krieg wieder die Lufthoheit übernommen hat, ruhte am vergangenen Montag und Dienstag auf allen deutschen Plätzen der Flugverkehr: Das Personal der Flugsicherung streikte.

Dennoch: Der Radarschirm auf dem Flughafenturm kreiste wie immer. Im Kontrollturm saßen die Fluglotsen wie jeden Tag vor ihren Kontrollstreifen und gaben ihre Anweisungen: Der Berlinverkehr und der Flugdienst des Militärs liefen weiter.

Es war ein seltsamer Ausstand. Der „bestreikte“ Arbeitgeber, die Bundesregierung, war kaum betroffen. Ärger traf er schon die Fluggesellschaften, die ihre Flüge ausfallen lassen oder umleiten mußten. Fachleute meinen, daß allein die Lufthansa in diesen zwei Tagen zwischen ein und eineinhalb Millionen Mark einbüßte. Den Flughäfen werden etwa 400 000 Mark an Lande- und Abfertigungsgebühren, an Konzessions- und Umsatzabgaben in den Kassen fehlen.

Bonn rührte sich nicht

„Es ist nicht unsere Schuld, daß es soweit kommen mußte“, sagt Streikleiter Groteguth vom Bundesvorstand der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft. „Ein Dutzend Mal haben wir mindestens mit der Bundesregierung verhandelt, doch ohne Ergebnis.“ Zur Bekräftigung zitiert er einen Brief, in dem der DAG-Vorstand vor einigen Wochen Vizekanzler Erhard – Adenauer war gerade auf Urlaub – die Folgen eines Arbeitskampfes auf dem Gebiet der Flugsicherung genau geschildert hat. „Ich weiß gar nicht, warum man im Bundesverkehrsministerium jetzt so erstaunt tut.“