Von Johannes Jacobi

Wer von den Württembergischen Staatstheatern spricht, denkt zunächst an die Oper. Zu Beginn der nächsten Spielzeit soll in Stuttgart aber auch ein neuerbautes Schauspielhaus mit einem Museumsstück eingeweiht werden: mit der ersten Fassung der „Ariadne auf Naxos“ von Hofmannsthal und Strauß, die vor fünfzig Jahren in Stuttgart das Licht der Theaterwelt erblickte.

Der Stuttgarter Schauspieldirektor, in dessen Ressort diese halb opernhafte Angelegenheit nur teilweise reicht, ist im übrigen wohl der selb-’ ständigste unter seinen deutschen Kollegen. Generalintendant Walter Erich Schäfer läßt ihn frei entscheiden. Stuttgarter Schauspieldirektoren während der vergangenen dreizehn Jahre waren: Paul Hoffmann, Dietrich Haugk und Günther Lüders.

Nachdem Paul Hoffmann abgelöst worden war, weil sein Spielplan hinter der Publizität anderer Schauspielbühnen zurückblieb, gelang es Dietrich Haugk hin und wieder, das Stuttgarter Staatsschauspiel auch für die überlokale Presse interessant zu machen. Doch die Stuttgarter „Großen“ liefen ihm davon. Theodor Loos und Erich Ponto starben und konnten nicht ersetzt werden. Als Edith Heerdegen und Mila Kopp sich nach München wandten, da war Gefahr im Verzuge, und das Ende von Haugks Direktion zeichnete sich ab.

Heute sind sie alle wieder da. Nicht immer, aber manchmal. Sogar Haugk, der Spezialist, als Gastregisseur. Der neue Schauspieldirektor, Günther Lüders, entscheidend von Gründgens empfohlen, besitzt offenkundig direktoriale Fähigkeiten in zwei Richtungen: Seit er das Amt übernahm, sind die Einnahmen des Schauspiels um ein Drittel gestiegen; er macht also Theater, das in Stuttgart gefällt. Und er kalkuliert den wachsenden Nachruhm seines gestürzten Vorgängers geschickt ein, indem er dem Spielplan moderne Spitzen aufsetzt. Dabei widerfuhr ihm jüngst das „Glück“, mit einer Uraufführung einen veritablen „Theaterskandal“ auszulösen.

Das Stück, das mit Glanz und Gloria in Stuttgart durchfiel, war die Komödie „Die Söhne des Herrn Proteus“ von Peter Hirche.

Vor sechs Jahren wurde der heute 39jährige Autor durch den Berliner Gerhart-Hauptmann-Preis empfohlen. „Triumph in tausend Jahren“ war ein realistisch behandeltes Kriegserlebnis, wobei es um menschliche Bewährung ging. Die Uraufführung in Wiesbaden blieb ohne Folgen. Mit Recht.