BERLIN (Schillertheater):

„Die heilige Johanna“ von Shaw

„Leichtes Unbehagen“ konstatierte Walther Karsch (Tagesspiegel) gegenüber dieser Inszenierung des steil in Ruhmeshöhen aufgeschossenen Walter Henri (Ausstattung H. W. Lenneweit). „Diesmal gelang ihm das Kunststück nicht, das Wort immer Gestalt werden zu lassen ... Henns Konzeption stimmte; die Durchführung scheiterte leider an der Johanna ... und auch an Shaw.“ Heidemarie Theobald sei bis zur Pause, nach dem Eindruck von Friedrich Luft (Die Welt), so gut wie noch nie gewesen: „eine neue Grazie im Gestus... eine fröhliche Heilige ... Nach der Pause dann fällt es jäh ab: Die große richterliche Szene, Johannas Triumph in der Erniedrigung, läuft fast leer aus.“ Bedeutende Sprecher und Spieler: Thomas Holtzmann (Warwick), Wilhelm Borchert (Cauchon), Klaus Miedel (Inquisitor), Claus Hofer (Stogumber), Helmut Wildt (Dauphin)..., „und doch wird man der Sache nicht froh“ (Karsch), „ein sonderbar ungleichmäßiger, gebrochener Abend“ (Luft).

HAMBURG (Thaliatheater):

„Zerbrochenes Spielzeug“ von Lillian Hellman

Zwei von einem Dutzend Theaterstücken der heute 57jährigen Amerikanerin waren auf deutschen Bühnen schon gespielt worden: 1947 „Auf der anderen Seite („Watch on the Rhine“) und 1952 in Frankfurt am Main „Die kleinen Füchse“. Deren thematische Fortsetzung, „Zerbrochenes Spielzeug“, 1960 in New York herausgekommen, erwies sich bei der deutschen Erstaufführung als ein Stück jenes gesellschaftskritisch (gegen das Geld) gestimmten amerikanischen Naturalismus, der seine allzu deutlich ausgesprochene Psychologie an hundertmal dagewesenen Familiengeschichten exemplifiziert – wohlkonfektionierte Seelenporträts, auf die Dauer ermüdend. Dem Intendanten Willy Maertens diente dieses „Gebrauchstheater“ als Spielanlaß für eine gut abgestimmte Inszenierung: präzise Rollenumrisse, dramaturgisch angelegte Kontraste, Persönlichkeitswirkungen aus der Stille, Zusammenspiel mit richtigem „Tonabnehmen“. In den Hauptrollen: Peter Schütte, Inge Meysel, Charlotte Kramm und Andrea Dahmen, aus deren Sprechweise man den unverwechselbaren Stimmklang ihrer Mutter Gisela von Collande wiederzuhören meint. Jac

MÜNCHEN (Residenztheater):