Die Verteidiger sind mit dem Urteil nicht einverstanden

O. v. L., München

Also keine Zweifel für die Angeklagten, sondern in Mittäterschaft begangener zweifacher Mord aus Habgier und daher lebenslängliches Zuchthaus für Vera Brühne und Johann Ferbach – nach fünfwöchiger Prozeßdauer endete damit die erste Hauptverhandlung in dieser Sache. Wie es nicht anders zu erwarten war, kündigten die Verteidiger prompt Revision an. Draußen, vor dem Münchner Justizpalast, gab es indessen eine Verkehrsstockung: Das Volk wartete auf den Abtransport der beiden Verurteilten und verstopfte die Straßen, Autoschlangen stauten sich kilometerweit, und ein Mann, der die Gaffer fragte, ob sie sich denn nicht schämten, wurde mit dem Regenschirm traktiert.

Das Schwurgericht, verkündete der Vorsitzende, erachte es als erwiesen, daß sich die Tat so abgespielt habe, wie sie im Eröffnungsbeschluß niedergelegt worden sei. Vera Brühne, die sich noch wenige Minuten zuvor lächelnd hatte photographieren lassen, brach zusammen, während Ferbach seine übliche düstere Miene beibehielt. „Das gesamte Beweismaterial“, fuhr der Vorsitzende fort, „kann in der mündlichen Urteilsbegründung keinesfalls ausgebreitet werden. Außerdem ist es unmöglich, auf all die Verstrebungen und Verzahnungen zwischen Vorgängen und Personen einzugehen, die die Beweisaufnahme zutage gefördert hat“.

Sylvia und Siegfried

Vera Brühne – so wurde die Urteilsbegründung aufgebaut – sei an dem Mordtage in München gewesen und habe für die fragliche Zeit kein Alibi erbringen können, sei aber ungemein bestrebt gewesen, sich auf jeden Fall eins zu beschaffen. Auch Ferbach mangele es an einem Alibi. Die zur Überführung ausreichenden Beweise hätten die Tochter der Angeklagten, Sylvia Cossiolkofsky und der Häftling Siegfried Schramm erbracht.

Das Mädchen habe nach „der unerschütterlichen Überzeugung des Schwurgerichts“ früher die Wahrheit gesprochen und während der Hauptverhandlung, als es seine Aussage vor dem Ermittlungsrichter widerrief, eine Begründung geliefert, die „an Dürftigkeit kaum zu überbieten“ sei