Der Geschäftsbericht der Continental Gummi-Werke AG, Hannover, ist eine angenehme Überraschung. Nach der Ankündigung vor einigen Wochen, es für 1961 bei der schon 1960 und 1959 gezahlten Dividende von 16 % zu belassen, erwarteten viele alles andere, nur nicht, daß 1961 diesem größten deutschen Gummi- und Reifenwerk das beste Nachkriegsergebnis gebracht hat. Allerdings ist dieser ungewöhnliche Erfolg stark von einem außerbetrieblichen Ereignis begünstigt worden, nämlich von sinkenden Preisen des Naturkautschuks. Nachdem 1959 und 1960 die Preise für Naturkautschuk wieder in die Höhe gegangen waren, gab es 1961 einen Abfall bis unter das Niveau von 1958. Bei der Conti wirkte sich das so aus, daß die Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie für Fremdleistungen und bezogene Waren von 503 auf 435 Mill. DM sanken. Dagegen haben sich die Umsatzerlöse noch leicht erhöht von 884 auf fast 890 Mill. DM.

Die Aktionäre werden an dem rund 13 % verbesserten Rohertrag nur indirekt teilhaben, nämlich über eine weitere Stärkung des Unternehmens. Von der Börse ist das allerdings bislang nicht honoriert worden, denn die schon seit langem dividendenreiche Conti-Aktie wurde mit erfaßt vom allgemeinen Kursabschwung. Vor gut einem Jahr, Ende Mai, wurde in Frankfurt noch ein Kurs von 840 notiert. Er sank auf 690 am Jahresende, auf 590 im Februar und stand am Wochenende (8. Juni) bei 480. Der Vorstand des Unternehmens, das rund 24 000 Beschäftigte zählt, hält einen Kurs von etwa 800 für angemessen. Nun, darüber ließe sich streiten. Tatsache ist, daß sich im Jahre 1961 die ohnehin gute Bilanzstruktur noch erfreulicher weiterentwickelte. Das Eigenkapital und die offenen Rücklagen erhöhten sich in den letzten Jahren ständig von 160 Mill. DM Ende 1959 auf 190 ein Jahr später und 220 Ende 1961. Damit stieg die Überdeckung des Anlagevermögens von 12 auf 18 und schließlich 23 %. Die sonstigen fremden Mittel gingen entsprechend zurück von 40 % Ende 1959 auf 37 % ein Jahr später und auf knapp 30 % im Jahre 1961.

Bei den Rückstellungen und Rücklagen gab es einige Umbuchungen. So wurde eine nicht mehr benötigte Rückstellung in Höhe von 14 Mill. DM aufgelöst. Den Löwenanteil erhielt der Fiskus mit über 8 Mill. DM Steuern, während der Rest aufgefüllt wurde auf 10 Mill. DM, die nun als Rücklage für die Lastenausgleichsvermögensabgabe erscheinen. Läßt man diese aus einer Rückstellung übriggebliebenen 6 Mill. DM bei den gesamten Rücklagen außer acht, dann ergibt sich die beträchtliche Zunahme von rund 58 auf 80 Mill. DM. Allerdings wirkt sich auch bei dieser merklichen Verstärkung der Reserven ein einmaliges Ereignis aus, nämlich die freihändige Verwertung von nominell 1,9 Mill. DM neuer Aktien zu Beginn 1961. Das brachte dem Unternehmen nach Abzug der Ausgabekosten 16,2 Mill. DM. Aber auch aus dem normalen Geschäftsergebnis dürften noch etwa 6 Mill. DM übriggeblieben sein zur Verstärkung der offenen Reserven.

Den größten Zuwachs bei den Aufwendungen gab es nicht bei den Investitionen (sie stiegen – ohne die im Bau befindlichen Anlagen – von 48,5 auf 54,9 Mill. DM), sondern bei den Personalkosten. Hier ist, wirklich eine bedenkliche Entwicklung zu beobachten: Allein die Mehrkosten infolge der im August vorigen Jahres in Kraft getretenen Lohn- und Gehaltserhöhung belasten die Conti (einschl. Sozialabgaben) mit rund 24 Mill. DM im Jahr! Das ist mehr als der jetzt an die Aktionäre auszuschüttende Gewinn von 16 % Dividende. Insgesamt erhöhten sich die Kosten für Löhne und Gehälter sowie die sozialen Abgaben und Aufwendungen von 213 auf 232 Mill. DM.

Da die Umsatzerlöse nur geringfügig zunahmen, erhöhte sich der Personalkostenanteil von 24 auf 26 %. Gäbe es auch 1962 nur eine ähnlich geringe Ausweitung des Umsatzerlöses, wüchse der Anteil der Personalkosten weiter auf etwa 28 %. Aus dieser Sicht ist die Zurückhaltung des Vorstandes verständlich, das goldene Jahr 1961 vornehmlich zur inneren Stärkung des Unternehmens zu benutzen, denn im laufenden Jahr sei – so wurde vom Vorstand gesagt – mit Sicherheit kein entsprechender Ausgleich aus der Verbilligung von Rohstoffen zu erwarten. K. D.