Für die deutsche Fußball-Elf ist das Weltmeisterschaftsturnier zu Ende. Mit dem knappsten aller denkbaren Ergebnisse, mit 1:0 unterlag die Mannschaft gegen Jugoslawien. Fehlte nur ein klein wenig Glück, scheiterte die Elf an ihrer eigenen Taktik oder waren die Jugoslawen einfach besser? Darüber wird man sich noch lange den Kopf zerbrechen. Jürgen Werner, Mitglied der deutschen Fußballexpedition, schildert den Weg der deutschen Elf bis zum entscheidenden Spiel gegen Jugoslawien.

Santiago, im Juni

Deutschland wurde Sieger in der Santiago-Gruppe vor Chile und qualifizierte sich damit zusammen mit den Gastgebern für das Achtelfinale, in dem es auf den zweiten der Arica-Gruppe, Jugoslawien, traf. Die deutsche Mannschaft hatte den unschätzbaren Vorteil, den Gegner gleichsam auf „eigenem“ Platz empfangen zu können.

Die deutschen Spieler hatten sich vollkommen akklimatisiert, die Temperatur von tagsüber etwa 10 bis 15 Grad empfanden sie als angenehm, alle fühlten sich in der Militärakademie wie zu Hause. Die Jugoslawen mußten 2000 Kilometer zurücklegen, um nach Santiago zu kommen. Die Deutschen fuhren etwa drei Kilometer von der Militärakademie bis zum Stadion.

Die deutsche Mannschaft besaß also eine denkbar günstige Ausgangsposition, denn neben den eben erwähnten Vorteilen fiel ein weiterer ins Gewicht. Deutschland konnte mit einer Zuschauerkulisse rechnen, die geschlossen hinter der deutschen Mannschaft stehen würde. Die Chilenen, a priori deutschfreundlich, haben auch ihr „deutsches Fußballherz“ entdeckt.

In den Spielen gegen Italien und die Schweiz waren die Sympathien der Zuschauer durchaus geteilt und keineswegs eindeutig für die deutsche Mannschaft, wie man es nach den Prognosen hätte erwarten dürfen. Zwar ist alles, was „deutsch“ heißt, mit einem kleinen Glorienschein umgeben, aber auf dem Sportplatz zählt allein die Leistung, und das Publikum verhielt sich bei diesen Spielen durchaus neutral und objektiv.

Während der Spiele der eigenen Mannschaft allerdings wurde diese Objektivität einfach vergessen. Ohne Rücksicht auf Gastfreundschaft und Fairneß wurde nur die Leistung der eigenen Mannschaft gewürdigt. Gegen die Schweiz schon wurde diese Einstellung spürbar, gegen Italien schlug sie in Fanatismus um. Durch antichilenische Artikel italienischer Journalisten, die über soziale Mißstände Chiles in großer Aufmachung berichtet hatten, war diese Leidenschaft geschürt worden. Empört hatten uns Offiziere der Akademie von diesen Berichten erzählt und bissig bemerkt, daß es ja auch in Italien diese Mißstände noch gäbe, obwohl die Italiener mehr Zeit gehabt hätten als die Chilenen, um sie zu beseitigen.