R. S., Bonn

Bundesfinanzminister Starke habe wegen der Meinungsverschiedenheiten über die Lohn- und Gehaltserhöhungen im öffentlichen Dienst mit seinem Rücktritt gedroht, eine Koalitionskrise sei nicht ausgeschlossen. So berichteten dieser Tage einige Korrespondenten aus Bonn. So dramatisch war indes die Situation bei weitem nicht. Daß Starke natürlich nicht erfreut war, Zusagen seines Regierungschefs, die er selbst eben noch als unmöglich bezeichnet und vielleicht sogar auch dafür gehalten hatte, in der Zeitung lesen zu müssen; daß andere wiederum verwundert waren, wie Starke nachträglich doch der Erfüllung jener angeblich unerfüllbaren Zusagen nähertrat – das alles kann man sich gut vorstellen. Aber deswegen kommt es in Bonn noch nicht zu einer Koalitionskrise, nicht in Bonn.

Den Arbeitern, Angestellten und Beamten des öffentlichen Dienstes werden aller Wahrscheinlichkeit nach ihre Bezüge aufgebessert. Die Mehrausgaben werden jetzt nicht durch Steuererhöhungen, sondern durch Ausgabenkürzungen an anderen Stellen des Etats gedeckt. Der Vorgang wird vermutlich Schule machen. Auch andere Gruppen werden mehr verlangen. Dann allerdings hören sämtliche Künste mit dem Rotstift auf.