r.g., Stuttgart

Wenn ich einen Nagel einschlagen will, brauche ich dazu drei – die ersten beiden klopfe ich krumm. Solche Versuche, mit der Axt im Haus den Zimmermann zu ersparen, haben dazu geführt, daß ich vor dem Zimmermann, vor jedem Fachmann, tief den Hut ziehe. Leider kommt es oft nicht soweit – der Hut geht mir vorher hoch.

Einmal habe ich eine Scheinwerferbirne am Auto gewechselt; selbst Fachleute waren von dem Ergebnis überrascht: Man zog den Zündschlüssel heraus – der Motor lief weiter und ließ sich nicht anders abstellen als dadurch, daß man ihn mit eingelegtem Gang brutal zum Schweigen brachte. Zwei autorisierte Werkstätten für Autoelektrik sahen darin ein schwerwiegendes technisches Problem, das sich nicht einfach so in einer Stunde beheben ließe. In der dritten Werkstatt – es war eine ganz gewöhnliche Autoreparaturwerkstatt auf dem Lande – fand ein junger Meister, kein Fachmann für Autoelektrik, den Schaden in zehn Minuten: die von mir eingesetzte Glühbirne; man hatte mir eine falsche verkauft.

Ein andermal wollte ich die Glühbirne an der Innenbeleuchtung auswechseln; die Innenleuchte klemmte. Der Mechaniker nickte gelangweilt, als ich ihm gestand, ich hätte befürchtet, mit ungeeignetem Werkzeug etwas kaputtzumachen, und setzte ungerührt den Schraubenzieher als Stemmeisen an. Die Lampe sprang prompt in Scherben heraus, und den Abdruck öliger Mechanikerhände hatte ich als Zugabe an der Deckenbespannung.

Einer, dem ich das erzählte, steuerte sein Erlebnis dazu bei: Eine Werkstatt habe ihm partout eine neue Lichtmaschine montieren wollen; eine andere, die er, gewitzt genug, aufsuchte, ersetzte ihm zum symbolischen Preis von einem deutschen Pfennig eine Unterlegscheibe – der Wagen läuft heute noch mit der alten Lichtmaschine.

Im häuslichen Bereich ist die Hochachtung vor dem Fachmann in blanke Furcht umgeschlagen – Furcht vor den möglichen Folgen seiner Bemühungen. Der Mann, der unseren elektrischen Herd reparierte, hinterließ einen losen Sicherungskasten. Der Ofenreiniger riß die Jalousien des Kachelofens heraus, daß der Putz flog. Man darf jedoch nicht zu hohe Ansprüche stellen, sagten sich unsere Nachbarn, die eine Heizsonne fürs Bad mit 1500 Watt Leistung bestellt hatten und froh waren, daß ihnen der Elektriker nach einem Vierteljahr eine mit 1000 Watt montierte.

Wir müssen uns jetzt eine neue Gardine kaufen, obwohl es die alte noch täte; aber es scheint die einzige Möglichkeit zu sein, einen Fachmann ins Haus zu bringen, der uns die allerdings fast schon in grauer Vorzeit – nämlich vor vier Jahren – angebrachte Gardinenstange, die aus dem Putz zu fallen droht, aufs neue befestigt.

Was ist zu tun? Der ADAC in Stuttgart veranstaltet neuerdings Pannenkurse, die den Laien in die Lage versetzen sollen, kleine Pannen selbst zu beheben, und vor allem, was am meisten Zeit kostet, den Fehler selbst zu entdecken. Das Echo darauf war erstaunlich. Dreitausend Interessenten haben sich gemeldet. Was aber dem Auto recht ist, sollte im häuslichen Bereich billig sein. Die Notwendigkeit, sich nicht blind auf die Arbeit des Fachmanns zu verlassen, wenn man ihn überhaupt einmal gewonnen hat, schreit nach Kursen unter dem Motto „Die Axt im Haus“. Für einen Erfolg kann ich dabei garantieren: Die Handwerkskammern werden wegen Verunglimpfung des ehrsamen Handwerks protestieren. Aber im Protestieren bin ich selbst Fachmann.