Maßvoll, doch entschlossen: Die europäisch gesinnten Rebellen gegen Franco

Von Hans Gresmann

München, im Juni

Die kleine Figur des Mannes auf dem Podium verschwand fast hinter dem Rednerpult. Der geprägte Kopf aber mit dem weißen Haarkranz zog siebenhundert Augenpaare auf sich. Nur ein wenig erhob der Redner seine Stimme, als er, in französischer Sprache, in den Saal rief: „Europa ist nicht nur der gemeinsame Markt und der Kohlepreis – es ist auch der gemeinsame Glaube an die Freiheit des Menschen.“

Ein Wort – ebenso wahr wie selbstverständlich. Eine Phrase also? Nein, der Mann, der hier sprach, unter der langgestreckten grünen Europaflagge mit dem weißen E, formulierte nicht eine Selbstverständlichkeit, sondern ein Bekenntnis. Es war der Spanier Salvador de Madariaga.

„Spanien“, so fuhr er fort, „möchte sich selbst gehören, um sich Europa hingehen zu können. Öffnen Sie die Arme, um Spanien zu empfangen

Die Zuh“ im Saal sprangen auf. Ein Beifallssturm schlug dem Redner entgegen. Die Delegierten des 4. Internationalen Kongresses der Europäischen Bewegung, die an diesem Junitag in München über die künftige Façon eines politisch einheitlichen Europas berieten, ließen keinen Zweifel daran, daß es ihnen um mehr ging als nur um einen Höflichkeitsapplaus für einen eloquenten Redner. Nicht nur in der Formulierung Madariagas – auch in dem ergriffenen Beifall seiner Zuhörer lag ein Bekenntnis.