Von Helmut Käutner weiß man, daß er mit Requisiten umzugehen weiß, daß er sie desto genauer beachtet, je größer ihre Symbolkraft ist. Immerhin, dies geschieht auf der ausladenden Leinwand. Und der Bühnenbildner hat auch einen deutlich begrenzten Raum, der in jedem Augenblick die ganze Szenerie darbietet und dessen offene Schauseite wenigstens sechs mal fünf Meter mißt – um wieviel sparsamer haben Szenenbildner und Regisseur im Fernsehen auszuwählen für den höchstens etwa sechzig mal fünfzig Zentimeter großen Bildschirm? Muß man’s immer noch einmal sagen?

Solches also geschieht zum Beispiel: Ausladende Opern des 19. Jahrhunderts – wie "Zar und Zimmermann" – werden aus dem Repertoir des Theaters entliehen, entliehen aber mit allem Drum und Dran, dem üppigen naturalistischen Bühnenbild samt Requisiten. Oder: eine Sendung wird beschlossen mit einem Chanson. In der Mitte der kleinen Bühne steht die Sängerin, neben ihr ein Stuhl, sonst nichts, und es genügt auch: Man soll mehr hören denn sehen.

Aber da blendet unvermittelt, ein Scheinwerfer auf und enthüllt ein einzigartiges Gewirr von Hintergrund, dessen graphische Deutung wohl nur dem gelingt, der es auf die Pappe gemalt hat. Ein Sinn war nicht zu entdecken, es sei denn der, dem Zuhörer zu bedeuten, daß er beim Fernsehen Zuschauer zu sein habe.

Ich erinnere mich einer Panorama-Sendung. Der Berichterstatter saß hinter einem simplen Tisch, auf dem die Requisiten standen: zwei Päckchen, denen der Mann je eine Nabelbinde entnahm. Nichts sonst war zu sehen als der, der sprach, und das, worüber er sprach. Nur hatte er das Glück, sozusagen vor keinem Hintergrund zu sitzen.

Und hier zeichnet sich nun die zweite Untugend ab. "Die Karaffe" hieß ein Fernsehspiel, das eigentlich hätte beweisen können, daß das Requisit wichtiger ist als das übrige Szenarium. Die Karaffe spielte die – kurze – Hauptrolle. Sie war zwar zu sehen, nur setzte sie geschärfte Blicke voraus, weil ihre Umrisse vor der wilden Pünktchen- und Bordürentapete verschwammen. Man sah sie vor lauter (französischem) Interieur nicht.

Daß später im gleichen Stück Briefpapier, Tintenfaß und Federhalter der schreibenden alten Dame vorzüglich zur Geltung kamen und nicht von den unzähligen Einzelheiten des halbstilisierten Szenenbildes aufgesogen wurden, war allein der Großaufnahme zu verdanken.

So ist es hundertfach zu beobachten: Ist das Requisit trefflich gewählt und in die Handlung eingefügt, wird es vom Szenenbild zerstört. Womöglich liegt es daran, daß die Inszenatoren sich schwer entscheiden können zwischen zwei Maximen: einerseits, den unbestreitbaren Realitätscharakter des Fernsehens zu respektieren, andererseits, auf Sparsamkeit in der Ausstattung und auf Stilisierung zu achten.