Wdigte ich mich schließlich bei Herrn Dietrich Wie geht’s denn dem kleinen Oliver?“ erkunüber den Gartenzaun hinweg, obwohl mich eigentlich das Wohlbefinden seines vorlauten, grenzenlos verwöhnten, bösartigen Sprößlings keinen Deut scherte.

Herr Dietrich verzog schmerzlich das Gesicht.

„Er macht uns Kummer. Seit einiger Zeit ist er so verändert. Wir wissen gar nicht, was mit ihm los ist. Dabei kann er sich doch über uns wirklich nicht beklagen. Wir lesen ihm doch jeden Wunsch von den Augen ab.“

„Das kann man wohl sagen“, bemerkte ich dazu. „Hat er denn keinen Spaß mehr an seiner schönen Liliput-Eisenbahn, die Sie ihm seinerzeit geschenkt haben?“

„Ach, die Eisenbahn – aber darüber ist er doch längst hinaus Dann und wann beschäftige ich mich mit der ein bißchen. Inzwischen hat er ja viele andere schöne Dinge bekommen. Voriges Jahr zum Geburtstag: eine Sommerrodelbahn mit künstlichem Schnee. Und sehen Sie drüben den großen Hügel: Da haben wir ihm im Herbst, zu meinem Geburtstag, ein Miniatur-Bergwerk mit Fahrstuhl erbauen lassen. Und zu Weihnachten bekam er dann endlich den kleinen Schimpansen geschenkt, den er sich schon so lange zur Ergänzung seines kleinen zoologischen Gartens gewünscht hatte.“

„Da hatte er doch nun wirklich alles, was ein Knabenherz begehren könnte“, meinte ich daiu.

„Oh, was Wünsche anlangt, ist seine Phantasie unerschöpflich. Kaum hatte sich der Schimpanse ein bißchen an uns gewöhnt, da wollte Oliver plötzlich zum Geburtstag ein Nilpferd haben. Ein westafrikanisches! Ein Nilpferd – also ich bitte Sie! Was das kostet mit Gehege und Wärter! Außerdem war ich schon aus pädagogischen Gründen sehr dagegen, jedenfalls zunächst. Man soll seinen Kindern nicht jeden Willen lassen. Meine Frau war natürlich gleich ganz auf Seiten des Jungen. Sie hält viel von amerikanischen Erziehungsmethoden. Wenn wir ihm das Nilpferd verweigern, könnte das Entwicklungsschäden verursachen. Franzmanns hätten ihrem Felix eine Giraffe geschenkt, da könnten wir uns wohl ein Nilpferd leisten. Und das bekam er dann auch. Aber nur, weil er uns richtiggehend reingelegt hat.“