Der Ausruf „Schwatten, lauf“, ist grammatikalisch ganz und gar nicht zu erklären, sprachlichem Reglement zufolge gibt es ihn überhaupt nicht. Benutzt wird er auch nur im Ruhrgebiet, wo die Sprachforscher sich ohnehin die Köpfe heiß reden, ob die hier gepflogene Umgangssprache Slang oder Dialekt ist oder Slang und Dialekt.

„Schwatten, lauf“, das heißt zu Deutsch, der Schalker Fußball-Nationalspieler Willi Koslowski (genannt: „der Schwatte“) möge sich beeilen. In der direkten Rede wird der Imperativ auf Subjekt und Prädikat verteilt und mithin verdoppelt. Der besonders nachdrückliche Imperativ heißt dann „Schwatten, lauf“; den Germanisten wird es grauen.

Nun ist die Sportsprache wohl hie und da derlei reizvollen mundartlichen Einflüssen unterworfen, sonst aber ist sie durchaus überregional. Gleichwohl ist auch hier eine Rede keine „Schreibe“, weshalb säuberlich zwischen geschriebener und gesprochener Sportsprache unterschieden werden muß.

Die geschriebene Sportsprache schwankt zwischen den Extremen: Superlativ und Vereinfachung gehen Hand in Hand. Der Superlativ macht aus einem ordentlichen Schiedsrichter einen Mann, „der das Spielgeschehen glänzend in der Hand hatte“. Die Vereinfachung hingegen stempelt rechtschaffene Hamburger Fußballspieler gnadenlos zu „HSVern“ (was sich über Fuß-, Hand-und Wasser-„baller“ bis zu den „Hockeyern“ fortsetzen läßt).

Der Sprachkonsument macht freilich den Superlativ, nicht mit. „Die Giganten der Landstraße nähern sich der Etappe der Wahrheit“ – das spricht kein Mensch, das wird nur geschrieben. Der „HSVer“ und der „Fußballer“ hingegen finden Anklang und Weiterverwendung – Rationalisierungsmaßnahmen überall, warum also nicht auch in der Sprache?

Dem Superlativ in der Sportsprache stehen je zur Hälfte Manieriertheit und Spracharmut Pate. Das Bedürfnis, einen einfachen Vorgang bedeutsam darzutun und der Mangel an sprachlichen Hilfsmitteln können also eine Mannschaft „auf die Verliererstraße geraten“ lassen; gottlob wird das wenigstens nicht nachgesprochen.

Nachgesprochen wird hingegen wieder die Vereinfachung, selbst wenn sie unlogisch ist. Der „längst fällige Elfmeter“ beispielsweise ist nichts anderes, als die Flucht vor der Mühsal, Ereignisse, die sich über einen längeren Zeitraum hinweg abgespielt haben, korrekt und gerafft darzustellen. Dazu ist er auch noch logisch ein Unding, denn ein Elfmeter ist augenblicks fällig oder nicht fällig – längst fällig ist er nie.