Notizen von einer Jet-Reise um die Welt (III.)

Von Eka von Merveldt

Zeit gewinnen, Raum gewinnen Träume, Sonne, Freunde gewinnen. Die Welt gewinnen ... Immer mehr erreichen. Der moderne Mensch überbietet sich ständig. Wächst über sich selbst hinaus; wird Supermensch. Halbgott. Das Flugzeug ist das allerbeste Symbol dieses Fortschritts.

Die Jet-Revue

Tahiti. Kokospalmen bis an den Strand. Sie halten respektvolle Distanz zueinander und haben silberne Metallbinden gegen die Ratten. Die ganze Insel ist ein Gewächshaus-Garten mit natürlichem Rasen. Büsche mit überdimensionalen Blüten in einer üppigen Farbskala. Drei schwere Gerüche herrschen vor: Vanille, Copra (getrocknete Kokosnuß) und die Blume der Insel: Tahiti Tiare, eine Gardentenart Ein neues Lebensgefühl: Natur umschlingt uns.

Die Hotel-Bungalows unter Pandanusdächern haben keine Fenster, nur halbhohe Wände. Wir wohnen in Käfigen im Freien, hinter Gittern aus dünnem Gazedraht. Der Gang zum Restaurant durch ein feuchtes Blumenmeer ist begleitet vom Schnarren der Tropenvögel. Das Restaurant in der geschickten Architektur der Polynesier mit ein paar europäischen Zutaten besteht aus zwei rechtwinklig aneinandergefügten, halboffenen Tennen mit hohen, luftigen Dächern.

Die korrekte europäische Kleidung bleibt im Koffer. Auf den Polynesischen Inseln findet ein permanentes Kostümfest statt, wie auf Capri, nur mit weniger Stoff. Hier kann jeder angezogen gehen, wie er will. Auch die meisten Amerikaner und Europäer entscheiden sich hier für „polynesisch halbnackt“. Der Polizeichef von Tahiti, der die knappesten Shorts trägt, geht mit gutem Beispiel voran. Hier geizt niemand mit dem, was er zu zeigen hat. Und die Polynesierinnen wählen ihre Hüllen mit einem ausgesprochenen Sinn für das Kühne. Nur am Sonntag, der durch den Einfluß der britischen Missionare noch heute englisch anmutet, tragen sie alle das „Hochgeschlossene“, meistens in weiß, wie ein Büßergewand. Dazu große Strohhüte aus der Zeit Queen Victorias, und die Männer dunkle Sonntagsanzüge ohne Schlips.