Robert Neumann beendet in dieser Nummer einen Erfahrungsbericht über seine Freunde, die Kollegen. Als roter Faden dienten ihm dabei seine Parodien, die gelungenen wie die weniger gelungenen. Die erste, vollständige Ausgabe dieser Parodien ist vor kurzem im Münchener Kurt Desch Verlag erschienen.

Nicht gelungen ist mir auch eine Parodie auf. mich; selbst. Als ich mein, zweites Bändchen mit diesen Dingen zusammenstellte, 1932, beschloß ich, mich vor aller Augen selbst zu vernichten – um ihnen allen einmal zu zeigen, wie man, ohne mit der Wimper zu zucken, Schwertstreiche entgegennimmt. Die Selbstparodie, die ich damals schrieb, schien mir so grausam zu sein, daß ich vor mir selber erschauerte. Noch erschauernd zeigte ich sie einem Freund. Wer war es nur? Leider habe ich das verdrängt. Nicht aber, was er sagte. Er sagte: „Nein! Mich hast du in der Luft zerfetzt. Gegen alle anderen bist du bösartig und widerlich. Und dich selbst faßt du jetzt mit Samthandschuhen an und wirst sentimental? Mach dich nicht lächerlich!“

Er hatte ganz bestimmt unrecht. Ich war zutiefst beleidigt. Nur deshalb publizierte ich diese Selbstparodie wirklich nicht, ich vernichtete sie in meinem Zorn – und überließ das blutige Handwerk meinem jungen Freund Friedrich Torberg. (Er parodierte, meinen Roman „Die Macht“. Es ist eine ausgezeichnete Parodie.)

Ach, dieser: Torberg. Was für ein großartiger Jüngling, was für eine Hoffnung als Romancier und als Parodist. Dann aber „trieb er Nebendinge“, wie es, glaube ich, in Heinrich Manns „Unrat“ heißt – ein akuter Fall von politischem Irrsinn. (Wie alle Irren hält er alle möglichen anderen Leute für irre – zum Beispiel mich. Was aber meine Liebe für ihn nicht schmälern kann. Der kehrt noch einmal um, adoptiert meine Meinungen und schreibt etwas Herrliches.)

* Ja – und dann stieg ich in jenen Zug, in den dann auch Stefan Zweig stieg, und fuhr ins Exil. Nach England. Die Geschichte meiner herzlichen und konfliktlosen Freundschaften mit meinen Kollegen in England und sonst in der weiten Welt gehört auf ein anderes Blatt, das noch nicht beschrieben ist.

Herzlich – denn man hat meine englischen Parodien dort gar nicht gedruckt. Als ich mir im Exil eine Sprache zurechtzuzimmern begann, die nur Nichtengländer freundlicherweise für englisch halten, Engländer aber für „vielleicht von den Äußeren Hebriden“ oder amerikanisch, und Amerikaner ebenfalls für amerikanisch, „aber nicht dort her, wo ich zu Hause bin“ – da kam mir die Fähigkeit, Parodien zu schreiben, gleichzeitig mit dem sprach-schaffenden Prozeß. Aber sie haben dort ihre eigene parodistische Tradition! Fast alle Wochenend-Preisaufgaben des New Statesman für seine Leser waren parodistisch; es ist die in einer alten Kultur zu feinster Blüte gebrachte Kunst des „Innuendo“, die einer reinen Stilparodie eben jenes Minimum an Karikatur verleiht, das dort als das Maximum an gesitteter Kritik und Polemik gilt. Meine ungeschlacht durch ein sprachliches Dickicht stolpernde eigene Prosa hießen meine Kollegen die Engländer großzügig willkommen; aber die auf gleicher Grundlage operierenden Parodien erschienen ihnen als so brutal, so teutonisch, so „highly libellous“, daß sie von ihnen wegschauten, als wären sie ein obszöner Vorgang im Hyde Park am hellen Vormittag.

Kein Land für mich, Nein, kein Land für mich. Ich blieb auch nur fünfundzwanzig Jahre dort: