Trotz Fleiß und Ehrgeiz der Kommunen: Das Ganze ist chaotisch – Hauptursache ist der unzulängliche Finanzausgleich – „Schlafstädte“ mit leerem Säckel – Ist auch hier die „Chance verpaßt”?

Von Christian Farenholtz

Eine halbe Stunde wühlt sich der Wagen durch chaotisches Verkehrsgetümmel auf chaotisch bebauten Vorstadtstraßen aus Frankfurt hinaus nach Hausen (Landkreis Offenbach), und man findet sich in Hausen vor dem „Bürgerhaus“, einem guten Beispiel guter moderner Architektur, auf einem langweiligen Platz, umstanden von langweiligen Allerweltsneubauten. Der Begleiter berichtet stolz vom Aufbau in Hausen, von den neuen Wohnbauten, von neuer Industrie. Vor Jahren hätte man noch 3000 Einwohner gezählt, jetzt seien es 6000 und noch mehr. Die Wohnungen wurden sowieso gebaut, die kleinen Fabriken und Werkstätten wurden dazu vorgesehen – auch Hausen will ja keine „Schlafstadt“ sein, Schlafstadt für die, die in Frankfurt oder in Offenbach oder in Hanau arbeiten. Die kleinen Fabriken und Werkstätten sind aber auch die Quelle des Haushaltes unserer Gemeinden. Das ist so, weil es so im Gesetz steht, und das begründet so manche Planung manches stolzen und ehrgeizigen Bürgermeisters...

In Sprendlingen – weiter nach Südwesten im Vorfeld der großen Stadt – ging es ähnlich zu. Das Städtchen ist allerdings größer, die Gewerbebetriebe liegen, von blühenden Büschen umsäumt, besonders hübsch und „eingegrünt“ an der Straße, der neuen Allerweltssiedlung gegenüber: Über tausend Wohnungen, sind hier zusammengestellt und werden „Gartenstadt“ genannt.

Nachbarn unter sich...

Im Landkreis Groß-Gerau, zwischen Rhein, Main und Autobahn, ist es auch nicht anders. Hier spricht unser Begleiter besonders nachdrücklich von der Eigenständigkeit der kommunalen Verwaltung, vom Eigenleben der Gemeinden, von der geschichtlichen Entwicklung des Kreisgebietes, und gerade hier wird die Problematik der Verwaltungsgrenze – der Grenze der Gemeinden also und der Kreise – offenbar. Der Südteil des Kreises tendiert zum benachbarten Darmstadt, im Nordosten nach Rüsselsheim, und im Nordwesten wirkt Frankfurt als bestimmender Pol. Über die Hälfte der Leute aus Waldorf zum Beispiel und aus Mörfelden arbeiten in der Frankfurter Kernstadt. Hier fällt, als die Rede ist von einer Industrieansiedlung in Kelsterbach, unmittelbar vor den Toren Frankfurts, das Wort: Frankfurt geht das nichts an ...

Die Frage hatte gelautet, ob solche Planung an der „Grenze“ auch mit dem großen Nachbarn abgestimmt worden sei. Und hier fällt das andere Wort über drei Gemeinden, die in der Mündungsspitze zwischen Rhein und Main liegen und die zeitweise dem Stadtkreis Mainz angehört hatten: „Die sind jetzt wieder frei...“