MÖNCHENGLADBACH (Stadttheater):

„Gekados“ von Hans Breinlinger

Im Gladbacher Haus der Vereinigten Bühnen Krefeld/Mönchengladbach wurde die zum „szenischen Bericht“ gestraffte Neubearbeitung eines Stückes vorgestellt, das 1957 unter dem Titel „Konzert an der Memel“ vom Schwäbischen Landesschauspiel in Memmingen uraufgeführt worden war. Ein Feldwebel, deutscher Ortskommandant in einer kleinen Stadt im Osten, hat seinen in der HJ erlernten Rassenhochmut durch persönliche Bekanntschaft mit „Juden und Polacken“ überwunden. Da erhält er als „geheime Kommandosache“ den Befehl, das Getto zu liquidieren. Er lehnt ab und wird selber erschossen. In den Düsseldorfer Nachrichten wird der Arbeit Breinlingers bestätigt, daß „sie weit mehr als Reportage“ sei. „Die innere Dramatik wird vorangestellt ... Der zweite Teil verdichtet sich zu Bildern von packender Kraft.“ In Günter Kinds Inszenierung mit Bodo Primus als Feldwebel erzielte die Premiere vor allem bei jugendlichen Zuschauern einen tief bewegenden Eindruck. „Viele Abonnenten haben es ... vorgezogen, die Karten zurückzugeben.“

SCHWETZINGEN (Festspiele):

„Castor und Pollux“ als Ballettoper

Schon einmal hatten die Schwetzinger Festspiele einen prächtigen Erfolg mit Purcells „Feenkönigin“. In diesem Jahr wählte die Schwetzinger Dramaturgie („Neubelebung älteren Theaters durch zeitgenössische Interpretation“) eine Oper von Rameau und ließ sie in den Rahmen des Schwetzinger Rokokotheaters einpassen durch den Choreographen Kurt Jooß und Essener Bühnenkräfte. Dabei. wurde „Castor und Pollux“ (1737) nicht nur von sechs auf drei Stunden verkürzt, die szenische Neufassung von Jooß machte aus zwei verschiedenen Originalfassungen eine „Dachfassung“: eine Ballettoper. Die Chorszenen wurden in tänzerische Aktion umgesetzt, die Dialoge und gesprochene Kommentare und gesungene Soli geteilt – „ein Einfall preziöser, eigenwilliger Erfindung“ ( Stuttgarter Zeitung). „Daß ein neuer Zugang zu Rameau vom Tanztheater her erfolgen kann, läßt sich nach der Schwetzinger Aufführung nicht bestreiten.“ Der Ballettkritiker O.F. Regner bestätigt in der FAZ: „Es wurde musterhaft getanzt... Die Gestalten der Handlung erschienen doppelt, als Sänger sowohl wie als Tänzer. Joos fand eine Fülle von Schritten, die dem Stoff angepaßt sind.“ Die Tänzer kamen von der Essener Folkwangschule. Unter der Regie und musikalischen Leitung der Essener Bühnenchefs, Erich Schumacher und Gustav König, wirkten als Gesangsolisten mit: Gerd Feldhoff, Donald Grobe, Melitta Muszely, Anny Schlemm, Chor und Orchester des Süddeutschen Rundfunks, der auch Auftraggeber war. Die Ausstattung von Jean-Pierre Ponnelle „übergoß die Schwetzinger Bühne in ihrer ganzen Tiefe mit einem Prunk und einer Farbenpracht, wie man sie sonst nur in den aufwendigsten Monstrefilmen (und in Technicolor) findet“ (StZ). „Das Spiel war zum Fest geworden“ (FAZ).

ZÜRICH (Stadttheater):