Die Entwicklung der Wintershall AG, Celle (Verwaltung in Kassel) im abgelaufenen Geschäftsjahr hebt sich vorteilhaft ab von dem Bild, das die westdeutsche Wirtschaft während des vergangenen Jahres im allgemeinen geboten hat. Während sich die Ausweitung von Produktion und Umsatz 1961 in den meisten Industriebetrieben merklich verlangsamte und zu einer Schmälerung der Erträge führte, konnte Wintershall ein von der Verwaltung als zufriedenstellendes, m.a.W. gutes Ergebnis erzielen. Die Aufrechterhaltung der Dividende von 14 % auf das gegenüber dem Vorjahr um 14 Mill. DM höhere Grundkapital, ist nur ein relativ schwaches Indiz für die ungebrochene Ertragskraft dieses Unternehmens. Bemerkenswert erscheint vor allem, daß trotz der Verschärfung des Wettbewerbs, vor allem auch im Exportgeschäft, die Kapazitäten voll ausgelastet waren, und zwar sowohl auf dem Kali- als auch auf dem Mineralölsektor. Die Umsätze konnten um 22,9 Mill. DM oder 6,9 % auf 355 Mill. DM gesteigert werden. Dabei waren die Umsätze nur im Düngemittelbereich leicht rückläufig, nicht zuletzt auf Grund der außergewöhnlich ungünstigen Witterungsverhältnisse im Inland. Der Exportanteil im Kaligeschäft konnte dagegen mit etwa 42 % (vom Gesamtgeschäft) gehalten werden. Die Ertragsrechnung bietet indessen wenig Anhaltspunkte für die Ertragskraft der Wintershall AG. So sind die Ertragsteueraufwände fast unverändert geblieben, wenn man berücksichtigt, daß die im Vorjahr bei den Organgesellschaften ausgewiesenen Gewerbesteuern jetzt bei der Muttergesellschaft erfaßt werden.

Ein gegenüber dem Vorjahr stark verändertes Gesicht zeigt dagegen die Bilanz. Auf der Aktivseite hat sich vor allem die Aktivität der Gesellschaft auf dem Gebiet der Beteiligungen niedergeschlagen. Das Finanzanlagevermögen verzeichnet einen Nettozugang von 38,9 Mill. DM. Davon entfallen auf Beteiligungen im Düngemittelsektor allein 28,7 Mill. DM, im Erdölsektor 10,9 Mill. DM. Im genau gleichen Ausmaß des Erwerbs von Beteiligungen haben sich die Bankguthaben verringert. Die Ausweitung des Geschäfts ist aus eigener Kraft möglich gewesen. Das Anlagevermögen weist bei Zugängen von 44,3 Mill. DM und Abschreibungen von 38,4 Mill. DM nur einen Nettozugang von 3,5 Mill. DM auf. Gestärkt wurde in erster Linie der Erdölsektor mit Investitionen in Höhe von 33,4 Mill. DM. Davon entfallen allein über 15 Mill. DM auf fündige Bohrungen. Im Düngemittelsektor wurde der größte Teil der Neuinvestitionen im Kaliwerk Neuhof-Ellers vorgenommen.

Die zukünftige Entwicklung wird von der Geschäftsleitung sowohl auf dem Kali- als auch auf dem Erdölsektor zuversichtlich, aber vorsichtig beurteilt. Das Kali-Exportgeschäft ist u. a. davon abhängig, wann die kanadische Neuproduktion auf den Markt kommen wird; die bisherigen Aufschließungsversuche sind nicht von Erfolg gewesen. Für den Fall, daß die Kanadier fündig werden, dürfte der Export jedoch darunter zu leiden haben. Das Ölgeschäft ist überschattet von dem bevorstehenden Fortfall des Zollschutzes für die Inlandsproduktion. Es bleibt abzuwarten, ob hier eine Zwischenlösung gefunden wird, die zumindest eine Anpassung an die dann entstehende neue Wettbewerbssituation erlaubt. Für das laufende Jahr erwartet die Verwaltung der Wintershall AG auf alle Fälle noch einen kleinen Produktionszuwachs. Ob die hiermit verbundene Kostendegression die Lohnerhöhungen überkompensieren wird, steht dahin. Was die Investitionspläne anlangt, so ist für das laufende Geschäftsjahr mit einem größeren Vorhaben auf dem Düngemittelgebiet zu rechnen. Angestrebt werden hier weniger Kapazitätsausweitungen als vielmehr Investitionen zur Qualitätsverbesserung der Sorten. bon