Hamburg

Zum drittenmal sollte in diesem Jahr eine Zeitschrift erscheinen, die das Hamburger Schülerparlament in den letzten beiden Jahren zum 17. Juni herausgab. Das Kuratorium für staatsbürgerliche Bildung hatte für den Druck jeweils sechstausend Mark zur Verfügung gestellt. Vorbedingung: die Schulbehörde muß mit dem Manuskript einverstanden sein. Zweimal ist sie einverstanden gewesen, aber diesmal gefiel ihr durchaus nicht, was die fünf Redakteure geschrieben haben. Sie lehnte es ab, den Druck der aggressiven politischen Aufsätze zu genehmigen. Die Schüler bekommen also kein Geld und die Zeitschrift kann nicht erscheinen.

„Am 17. Juni will das Volk erhoben, nicht aber belehrt sein“, sagt die Schulbehörde.

„Voriges Jahr, als wir geschrieben haben, wie es üblich ist, haben wir die Zeitschrift an die Oberstufe verteilt und in der nächsten Pause waren schon die Papierkörbe voll davon“, sagen die Schüler, „wir wollen nicht, daß der 17. Juni so etwas wird wie Sedantag oder Kaisers Geburtstag.“

Allerdings stützt sich die Ablehnung der Behörde auf greifbarere Dinge als die vermißte Erhebung. Ein Oberschulrat, Referent für die Schülermitverwaltung in Hamburg, und zwei weitere Vertreter der Behörde erklärten den Hamburger Schulsprechern und den Redakteuren der 17.-Juni-Zeitschrift was sie an den Manuskripten mißbilligen: Die geplante Zeitschrift sei nicht eine schulinterne Veröffentlichung, die sie sein sollte, sondern eine politische Aktion mit entschiedener Links-Tendenz. In den Manuskripten würden die Vertriebenenverbände provoziert und beleidigt, sie enthielten spitzfindige journalistische Formulierungen, die Redakteure bedienten sich an einer Stelle eines SS-Jargons, und glorifizierten mit Siedlerromantik das Wirken Polens in den ehemals deutschen Ostgebieten. So die wichtigsten Vorwürfe der Behörde.

„Können wir uns vielleicht zusammensetzen und die anstößigen Stellen revidieren?“ fragten die Redakteure.

„Nein, die ganze Richtung ist zu stark links.“