Schon im Frühjahr kann man in Bayern im Freien schwimmen: Das Warmbad Füssing, 30 Kilometer südlich Passau, hat sich in letzter Zeit ganz beachtlich entwickelt: Heißes Wasser scheint hier fast noch einträglicher zu sein als Erdöl (wonach man ursprünglich 1938 bohrte). Meine Erinnerung an frühere Tage: An rauchende menschliche Köpfe, die einst auf einsamen Wegen slowakischer Wälder lagen und sich beim Näherkommen als zu gewitzten Bauern gehörig entpuppten, die sich in den mit Thermalwasser gefüllten Erdlöchern verjüngten – diese Erinnerung ist hier gänzlich unangebracht. Hotels sind in Füssing geschwind wie die Pilze aus der moorigen, ebenen Heidelandschaft geschossen, zweistöckige Häuserblocks mitten zwischen Feldern oder Riedgras. Drei Bassins mit heißem schwefelhaltigem Wasser (es kommt mit 52 Grad aus der Erde und wird auf Körpertemperatur abgekühlt): Eines flach, zum Liegen (genüßlich läßt man sich berieseln); eines tief zum Schwimmen (sonderbar und ziemlich anstrengend); eines glas- und holzumbaut, durch zehnjährige Schwefeldämpfe gebeizt; Liegehallen sonnig und vor allem im Schatten, verglast, geheizt, und alles recht komfortabel.

Seit zwei Jahren gibt’s nun auch Kanalisation. Eine neue Kurmittelhalle ist schon da; ein Weilchen noch, und es gibt auch einen Kurpark mit allem was dazu gehört. So verspricht Füssing, heute noch ein wenig gesichtslos, nicht nur für Kranke und Kränkliche, sondern auch für gesunde Begleitpersonen ein reizvoller Kuraufenthaltsort zu werden. Die Preise sind entsprechend noch niedrig, auch für die Kurmittel; Zimmer mit Frühstück sind von 3,50 Mark (Privatunterkünfte) bis 7,50 Mark (Kurhotel) zu haben. Besondere Heilerfolge verzeichnet Füssing bei Rheuma, Arthritis, Bandscheibenschaden, Kreislauferkrankungen.

Fast wäre es passiert, Passau als das landschaftlich Schönste von Füssing zu preisen, doch das wäre wohl etwas grotesk: Passau, die zweitausendjährige Stadt, der schmale, spitze, wasserumspülte Finger mit dem fast zu schweren Edelstein, dem fünfzehnhundertjährigen Stephansdom, dem beherrschenden Kern der auf engen Raum gedrängten Stadt von heute 32 000 Einwohnern. Passaus Lage ist unvergleichlich: sie kann nur noch mit dem idyllischeren, vom Inn umschlungenen Wasserburg verglichen werden. Bei Passau aber fließen der wilde Gebirgsbach Inn‚ die majestätische Donau und die h. mlose Ilez ineinander.

Und aus denselben Elementen ist das Auf und Ab der Geschichte geformt: Weltstädtisches kam und ging mit der Donau flußauf und ab: Christianisierung, Kolonisierung über Wien bis nach Ungarn hinein. Reichtum kam herein mit der Bedeutung des Bistums und versickert nun im langsamen Schicksal einer Landschaft mit Grenzlandcharakter. Die „Europäischen Wochen“ (Ende Juni bis Anfang Juli) sollten, so war’s vor neun Jahren gedacht, wieder den Atem jener großen Welt hereinbringen, dem die schöne Rivalin Salzburg ihre neue Jugendblüte verdankt. Seit dabei aber der eigene Atem ein wenig ausging, ist man nur mehr bestrebt, den ohnehin verbeiströmenden Touristen auch kulturell noch etwas Attraktion zu bieten: Freilicht-Schauspiel, Ballett, Operette, Konzerte und Schloß-Serenaden, deren europäischer Charakter durch Künstler nicht nur aus dem Bundesgebiet und Österreich, auch aus andern westeuropäischen Ländern dokumentiert wird. Als Kulisse dienen der Domhof, die Nibelungenhalle, Stadttheater und festlich-dekorative Innenräume von Schlössern und Kirchen.

An Schlössern ist kein Mangel: Die Campingfreunde genießen es, daß man sie im Burghof der trutzigen Veste Oberhaus siedeln läßt. Von hier oben hat man einen unvergleichlichen Rund- und Ausblick – und ist vor dem Überfluß an Wasser sicher. Das Wasser als Freund und Feind: Die Kühnheit, mit der man das Rathaus mit seinem dekorativen Platz direkt ans wechselvolle Donauufer baute, vielleicht um den Prunk direkter Empfänge großer Würdenträger, die auf dem einst bedeutendsten Verkehrswege aus aller Welt hier eintrafen, erleben zu können, muß bezahlt werden mit fast alljährlichen Überschwemmungen und in Unglücksjahren mit großen Überflutungen. Ihre unheimliche Regelmäßigkeit kann von zahllosen Eintragungen an der Kaimauer abgelesen werden. Dafür gehören auf der andern Seite Dreiflüssefahrten, Donaukurzfahrten zur nahen Grenze und Tagesfahrten nach Linz und Wien zu den bekannten und viel genutzten Reise-Attraktionen.

Jutta Rudershausen

Trinkgeld-Register

Zur sorgfältigen Vorbereitung der Reise dient eine Broschüre „Reise ins Ausland“ (herausgegeben von der Commerzbank). Darin findet sich alles Wissenswerte über Paß, Reisedevisen, Aus- und Einfuhrbestimmungen, Übernachtungs- und Verpflegungskosten; sogar die Trinkgeldbräuche der einzelnen Länder sind aufgeführt. – über ausländische Währungen, Warennotierungen, Maße und Gewichte informiert das kleine Heft „Wert und Maß in aller Welt“ des Schweizerischen Bankvereins.