Es wird hier nicht der hemmungslosen Eingemeindung das Wort geredet, es wird nur festgestellt, daß die Korrektur von Verwaltungsgrenzen – vielfach, gerade im Lande um die größten Zentren herum, notwendig ist. Dörfer und Städte entwickeln sich; Verwaltungsgrenzen dürfen deshalb nicht starr sein. Bei vernünftig geschnittenen kommunalen Bereichen verliert dann auch der „Pendler“ seine praktische Bedeutung. Dieser Begriff ist nur statistisch interessant, er ist von steuerlicher Bedeutung – für den Arbeitenden selbst ist er gleichgültig.

Für ihn gibt es allgemein jene Grenze nicht, die ihn, wenn er sie auf dem Wege zu seinem Arbeitsplatz überschreitet, zum „Pendler“ werden läßt. Für ihn ist entscheidend, wie er wohnt – ob im Grünen oder in der Stadt –, wie lang sein Weg zur Arbeit ist und wie er ihn zurücklegen kann. Für ihn ist interessant, wie groß die Auswahl möglicher verschiedenartiger Arbeitsplätze für ihn und für seine Familie ist. In Hamburg gibt es manchen „Pendler“, der weniger Zeit für den Weg zum Büro oder zur Fabrik benötigt als sein Arbeitskollege, der innerhalb Hamburgs wohnt, aber eben schlechtere Verkehrsverbindungen zum Arbeitsplatz hat. Und manch anderer nimmt den langen Weg zum Arbeitsplatz in Kauf, um im Grünen zu wohnen, um einen Garten, ein Haus zu haben. Er wird so bewußt zum „Pendler“, und wir dürfen ihn nicht an solcher Entscheidung hindern. Sein Wunsch, in der Stadt zu arbeiten und auf dem Lande zu leben, ist legal. Vielleicht ist dieser Wunsch sogar moderner als manche städtebauliche oder kommunalpolitische Theorie?

Überdies bleiben für Aufbau und Verwaltung noch genug Probleme, besonders an den Schnitt- und Übergangsstellen verschiedener Zonen. Für diese Bereiche gilt es, durch die zweite zur Ordnung eines Raumes notwendige Voraussetzung einen sinnvollen Aufbau zu ermöglichen: Das ist die Frage des Steuersystems und der Finanzierung kommunaler Haushalte. Heute ist maßgebend für die Möglichkeiten fast jeder Gemeinde, wieviel Gewerbesteuer dem Gemeindesäckel von den ansässigen Betrieben zufließt.

Nehmen wir an, ein Gemeinderat bemühte sich um eine vernünftige Entwicklung, vielleicht gar im Sinne eines übergeordneten Planes, weil er Wälder und Landwirtschaft nicht zuletzt zum Vorteil für die Bewohner der großen Nachbarstadt erhalten möchte; weil er nicht Fläche um Fläche, Acker und Wald zum Bauen freigeben will, um tausend Einwohner mehr in den Listen zu führen und um Industrie anzusiedeln, damit die Gewerbesteuer im Ort bleibe und nicht in die Nachbarstadt getragen werde – der Gemeinderat hätte es schwer, von seinen Bürgern verstanden-zu werden. Es gibt nur diesen Weg: Die Frage der Steuerverteilung und die Fragen des interkommunalen Finanzausgleichs sind Kernstück aktiver Ordnungspolitik.