Von Marion Gräfin Dönhoff

Washington, im Juni

In den Vereinigten Staaten hat eine Periode begonnen, in der im Gegensatz zur Vergangenheit die innenpolitischen Probleme sehr betont in den Vordergrund getreten sind. Diese Entwicklung ist nicht ausgelöst, aber verstärkt worden durch das Zusammenfallen gewisser wirtschaftlicher Schwierigkeiten mit der Vorbereitung der Kongreßwahlen.

Im November dieses Jahres wird das ganze Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt. Schon heute zeichnet sich deutlich das Muster für die Wahlkampagne ab. Die Republikaner haben drei Komplexe, auf die sie ihre Angriffe konzentrieren. Sie sagen:

1. Es zeigt sich, daß Kennedy im Grunde seines Herzens gegen die Interessen der Business-Welt ist und daß er sein Versprechen, "Amerika wieder auf die Füße zu stellen", mit planwirtschaftlichen Methoden zu erfüllen versucht.

2. Kennedy hat sich von der konservativen Finanzpolitik seines Finanzministers Dillon abgewandt, der unter allen Umständen versuchen möchte, das Budget auszugleichen, und hat sein Ohr denen geliehen (Walter Heller, dem Chef des ökonomischen Beirats, und dem Arbeitsminister Goldberg), die ungeachtet des hohen Defizits leichtfertig für immer neue Ausgaben eintreten. Auf diese Weise hofft er, die Wirtschaft "in Schwung zu bringen".

3. Im Weißen Haus wird immer mehr Macht konzentriert, und die Rechte der Einzelstaaten werden möglichst unmerklich, aber systematisch eingeengt.