Verlagswesen wird in den USA zum „Big Business“

Von Joachim Joesten

Wer noch immer glaubt, daß der Durchschnitts-Amerikaner vor lauter Baseball, Tanzvergnügen, leichter Bilderkost, Kinobesuch und Seßhaftigkeit vor dem Fernsehschirm keine Zeit zum Bücherlesen findet, der sollte sich jetzt eines Besseren belehren lassen.

Tatsache ist, daß die Vereinigten Staaten, deren Büchermarkt lange Zeit im Vergleich zur Größe des Landes ungewöhnlich gering war, in den letzten Jahren von einer wahren Lesewut erfaßt worden sind, die sich besonders in der jüngeren Generation bemerkbar macht. Gerade dieser Faktor – die Lesefreudigkeit der Jugend – weist darauf hin, daß es sich bei dem steilen Anstieg des Buchabsatzes nicht etwa um eine vorübergehende Erscheinung handelt.

Die vieldiskutierte „Bevölkerungsexplosion“ der Nachkriegszeit fängt jetzt erst an, sich auf das Geschäftsleben auszuwirken. So bereiten sich denn die amerikanischen Verleger heute in froher Erwartung auf die Dinge vor, die da kommen werden.

Seit etwa drei Jahren rechnet man das Verlagswesen in den USA zum Big Business. Im Jahr 1958 wurde erstmalig ein Gesamtumsatz in Höhe von über einer Milliarde Dollar erreicht. Diese an sich recht willkürlich herausgegriffene Meßzahl übt auf die amerikanische Geschäftswelt – insbesondere Wall Street – eine geradezu magische Wirkung aus. Wer einen Jahresumsatz von einer Milliarde aufweisen kann, gehört zum Big Business; wer’s nicht schafft, bleibt kleines Gemüse.

So ist es denn auch keineswegs ein Zufall, daß gerade in den letzten Jahren eine große Anzahl von Verlagen – ein rundes Dutzend allein im vergangenen Jahr – in Aktiengesellschaften umgewandelt worden ist, deren Papiere an der New Yorker Börse zugelassen wurden. Zur Zeit werden in Wall Street die Aktien von rund 30 amerikanischen Verlagen gehandelt, darunter die meisten „Giganten“ dieses Geschäfts, Firmen wie Grolier Inc. mit einem Jahresumsatz von 60 Mill. Dollar; McGraw-Hill (50 Mill.); Crowell-Collier (auch etwa 50 Mill.),