Auf der Agende einer Gruppe von Bundestagsabgeordneten der CDU/CSU steht schon seit geraumer Weile das von Professor Erhard nachdrücklichst geförderte Vorhaben, eine gesetzliche Regelung für die Offenlegung der Börsenumsätze zu schaffen. Eine mit der Prüfung dieser Angelegenheit betraute Arbeitskommission ist zu dem Ergebnis gekommen, daß diesem Wunsch „keine Bedenken“ entgegenstünden.

Die Meinung der Börsengremien hierzu ist freilich nicht einhellig. Man meint dort, die Formulierung „keine Bedenken“ sei doch wohl eine etwas zu schmale Basis für eine so einschneidende Reform: Falls kein reales Bedürfnis für eine Änderung vorliege, solle man die Dinge lieber auf sich beruhen lassen. Zudem gebe es ja tatsächlich eine ganze Reihe von Bedenken. So etwa, daß die kleineren Börsenplätze allmählich absterben würden, was vor allem deshalb zu bedauern wäre, weil dann der Markt mancher regionalen Werte – insbesondere Aktienwerte – verkümmern müßte. Börsentechnisch gesehen setze die Ermittlung der täglichen Umsätze – bei der wohl an die Gesamtumsätze für Aktien und Festverzinsliche gedacht ist, also nicht an die Umsätze in den einzelnen Werten – den Börsenzwang voraus, mit der Konsequenz, daß kein vor- und nachbörsliches Geschäft mehr möglich sei, und ferner, daß die unmittelbaren Kontakte zu den Auslandsbörsen aufhören würden. Allen diesen Nachteilen stünden aber keine realen Vorteile gegenüber, da auf die Frage, wer eigentlich einen Nutzen aus den täglichen „Umsatznotierungen“ wird ziehen können, bisher noch keine überzeugende Antwort gegeben worden sei. Zudem bestünde bei den Organen der deutschen Wertpapierbörsen durchaus die Bereitschaft, der „interessierten Öffentlichkeit“ (lies: der Wirtschaftspresse) von Fall zu Fall „freizügige“ Informationen über die Höhe der Umsätze in einzelnen Werten zu geben; es sei auch gewährleistet, daß die amtlichen Makler hierbei „mitziehen“.

Wirklich durchschlagend ist wohl noch ein anderes Bedenken, das die Praxis der Verfahrensregelung betrifft. Wie könnten – so lautet dieser Einwand – die Kontrollmöglichkeiten aussehen, die erforderlich sind, um zu gewährleisten, daß – insbesondere von den miteinander rivalisierenden „großen“ Börsen – nicht etwa aus Prestigegründen fiktive Umsätze gemeldet werden? Es wird gewiß nicht einfach sein, diese Frage so zu beantworten, daß jetzt nicht etwa ein monströser Kontrollapparat vorgeschlagen wird, der nun noch einen zusätzlichen Interventionismus in das bisher relativ freie Marktgeschehen an den Wertpapierbörsen hineintragen würde. E. T.