Eine Pastellzeichnung des Großvaters Diem hängt bei uns, die den elterlichen Garten in Würzburg zeigt. Auch Carl Diem zeichnete und malte viel; seine Entwürfe, seine Reden sind immer bildhaft, eindringlich, zeigen. Perspektiven.

Die Umsiedlung nach Berlin, die entbehrungsreiche Jugend und frühzeitige Berufsausbildung entwickelten den praktischen Sinn, die Freude am Schaffen und realem Handwerk. Kein Federstrich ist zu gering, die Kleinarbeit wird ebenso bedacht wie die große Organisation olympischer Spiele.

Die überängstliche Mutter, die selbst gehbehindert war und beide Kinder allein ernähren mußte, verbot den Jungen barfuß zu laufen oder das Vergnügen, mit den anderen im Springbrunnen vor dem Reichstag zu plantschen. Bis ins Alter warnte sie ihren Sohn vor körperlichen Anstrengungen – gerade die aber suchte sich der junge und der alte Carl Diem. „Kiek mal, der macht det freiwillig“, wunderten sich auch junge Soldaten, die mit Freiübungen gelangweilt wurden, als sie das schweißtreibende Üben des Älteren im Berliner Stadion beobachteten.

Carl Diem konnte es nie hart genug sein: Er suchte die ausdauernden Waldläufe, die Bergbesteigungen bis in die Viertausender, die tagelangen Ruderfahrten. Er gab nicht auf, als er bis zur Erschöpfung nach dem Krieg seine große Bibliothek aus dem zerstörten Stadion nach Hause karrte. Die Morgengymnastik, das kalte Bad, bis vor wenigen Jahren der tägliche Lauf – damit beginnt der Tag.

Carl Diem verzagt’nie. Immer erzeugt eine verfahrene Situation, eine mißliche Lage oder ein negativer Bescheid in ihm neue Gedanken, Auswege, fruchtbare Improvisationen. Wir, seine Familie, seine Mitarbeiter und Schüler, haben heute noch Mühe, mit ihm Schritt zu halten, denn er plant schon immer für das nächste Jahr, wenn wir uns noch mitten im alten mühen.

Das nächste Buch, die nächste Forschung, die nächste Tagung – sein Tempo ist nie schleppend, zögernd. Immer eilen seine Gedanken. Immer sucht Diem das Gespräch. Seine Unterhaltungen mit Coubertin, mit Sven Hedin, mit Eduard Spranger – er scheint immer der Gewinnende, der einen neuen Schatz an Ideen davon mit nach Hause trägt.

Wie entstanden nun die neuen Ideen, die den deutschen Sport bis heute befruchten? Die Großstaffelläufe, das Spielplatzgesetz, das Turn- und Sportabzeichen, die Hallenfeste, die Deutsche Hochschule für Leibesübungen, das olympische Festspiel, der Fackellauf oder die Olympische Akademie? Carl Diem selbst hat über den „zündenden Funken“ manches gesagt, was heute, zu Ehren seines 80. Geburtstages, wieder veröffentlicht werden soll: