Haltbar wie die Liebe, zum Matrosen – nicht zum einzelnen ist hier gemeint – war der gute alte Matrosenanzug, der einst die Knaben zierte, nicht nur die deutschen. Sie sind so haltbar, daß etwa zwanzig Stück – blaue Bluse, blaue Hose, weiße Bluse, weiße Hose, blauweiß gestreifte Bluse, blaue Hose – jetz wie neu die Schränke von Müttern längst erwachsener Söhne verließen, um im Museum für Hamburgische Geschichte hölzerne Knaben in Vitrinen zieren. Eine kleine Ausstellung ist dort zu besichtigen: „Der Matrosenanzug der Hamburger Jungs von 1890 bis 1962.“ Ein einziges Mädchen mit marineblauem Faltenrock und Matrosenbluse ist auch dabei, ein blondes Mädchen mit einem Kopf von 1962. Und sie sieht reizend aus indem Kleid. Leider werden sie nur wenige von denen, die heute nicht mehr Mädchen, sondern Teenager heißen, in der Vitrine entdecken – sonst könnte es sein, daß Matrosenkleider wieder beliebt würden. Denn die weiten und langen Blusen sind nicht anders geschnitten als zünftige Teenagerpullover.

In der Ausstellung hängen auch Fotos von Schulklassen. Nach 1890: einzelne Schüler tragen Matrosentracht. 1900: Matrosenanzüge überwiegen – unsere Zukunft lag dazumal auf dem Wasser. Zwischen 1900 und 1918 tragen die meisten Jungen von sechs bis sechzehn Jahren Matrosenanzüge. Aber dann wird es anders. Nicht etwa, weil Deutschland nun eine Republik ist. Nein, weil die meuternden Matrosen das Kleid in Mißkredit gebracht haben, kleidet man das gutbürgerliche Kind anders.

Erst nach 1920 kann man sich ungetrübt der kaiserlichen Marine erinnern, vornehmlich vornehme Knaben tragen wieder Matrosentracht, man zeigt wieder nationale Gesinnung und blickt zurück ohne Zorn. Das merkten auch die Nazis, die sonst doch nichts gegen Krieg und Marine hatten. Als Zeichen bürgerlicher Gesinnung wurde der Matrosenanzug verpönt; er verschwand völlig, als der Krieg begann. Verschwand, wie man hier sieht, zum Teil in den Schränken. Auch einige Klassenmützen haben sich damals versteckt und sind nicht wieder erschienen – bis jetzt im Museum. RH