Familie Keller muß ein Haus bauen. Einen anderen Ausweg gibt es nicht. Die Familie hat drei Kinder, das vierte wird erwartet. Die alte Wohnung ist zu klein, eine größere war nicht zu bekommen. Vergeblich hatte man einen Hausvermieter gesucht, der von den Kindern der Kellers entzückt gewesen wäre. Darum wollte Herr Keller selber bauen, aber das Geld reichte nicht ganz. In seiner Not wandte er sich an die Kirche. Denn er wußte: sie fördert Bauprogramme für kinderreiche Familien. Man empfahl ihm, in die Siedlergemeinschaft Adolf Kolping einzutreten. Vater Keller fragte nach den Bedingungen und erhielt ein Merkblatt „Ordnung der Siedlergemeinschaft“.

Unter Punkt zwei las er: „Der Siedler und seine Familie müssen ehrlich, strebsam, ordnungsliebend und friedfertig sein. Das Siedeln darf nicht Selbstzweck werden, sondern soll der Ordnung im Leben des einzelnen, seiner Familie und der Gemeinschaft dienen...“ Weiter hieß es da: „Berechtigten Besitz erwirbt man nur durch persönliche Opfer. Darum verpflichtet sich der Siedler insbesondere zu intensivem Sparen und Maßhalten. Auf Verlangen des Vorstandes hat er in besonderen Fällen seine Vermögensverhältnisse vertraulich mitzuteilen... Der Siedler kann ausgeschlossen werden bei Nichteinhaltung der Siedlerordnung oder einem ihrer Punkte. Ferner wird er ausgeschlossen bei fortgesetzten Lügen und wissentlicher Verbreitung von Unwahrheiten, bei wiederholten Verstößen gegen den Gemeinschaftsgeist, gegen Anstand und Sitte sowie wegen Charakter- und ehrlosen Verhaltens ... Die Siedlerordnung schließt jeden Rechtsweg aus...“

Vater Keller zählte die Häupter seiner Lieben und dachte an gewisse Eigenschaften seiner Familienmitglieder: sein jüngster Sohn haut anderen Kindern manchmal die Sandschippe über den Kopf, seine kleine Tochter verbreitete mitunter erstaunliche Lügen. Dem dritten Kind mangelte es an Gemeinschaftssinn und Strebsamkeit in der Schule. Und seine Frau? Herr Keller erinnerte sich, daß sie schon einmal in den langen Hosen, mit der Zigarette in der Hand, einkaufen gegangen war. Das alles bedachte er und legte die Ordnung der Siedlergemeinschaft verbittert zur Seite. „Ich kann die Satzungen nicht erfüllen“, dachte er, „das schaffe ich moralisch nicht...“ gru