BERLIN (Schloßparktheater):

„Endspurt“ von Peter Ustinov

Dieser Ustinov ist ein Genie“, ironisch leitet der Berliner Theaterkritiker der FAZ seinen Bericht über die deutsche Erstaufführung ein; „wie anders sollte man eine Begabung nennen, die das Publikum zwei Stunden vergessen macht, daß es mühselig unterhalten wird.“ Drei Akte leben von einem einzigen Einfall: ein und denselben Mann als 80jährigen, als 60-, 40- und 20jährigen sich selber begegnen zu lassen. „Aber Identitätsprobleme gibt es da nicht, weil die verschiedenen Lebensalter kaum mehr als den Namen gemeinsam haben.“ Friedrich Luft berichtet in der „Welt“: „Bis zur Pause ist es eine alberne Wonne ... Wenn Ustinov hin und wieder Ernst machen will, rutscht er gleich einen Rang tiefer.“ Doch „Schauspielertheater wird’s allemal“, was Ustinov – nach dem Urteil des „Tagesspiegel“ „unter allen schreibenden Kabarettisten der eleganteste“ – anbietet. Die vier Lebensalter werden gespielt von Martin Held (80), Otto Graf (60), Rolf Henniger (40) und Joachim Ansorge (20). Der Vater dieser vierfachen Existenz: Fritz Tillmann. „Eva-Katharina Schultz geht vom Frühlingsleid der Jungfrau bis zur Greisinnenschürze durch die Handlung.“ Inszenierung: Harry Meyen, Bild: H. W. Lenneweit. „Überdimensionaler Schlußbeifall, der sich beim Auftauchen von Martin Held zu Ovationen steigert.“

DÜSSELDORF (Schauspielhaus):

„Kiss me, Kate“ von Cole Porter und Spewack

„Ich spiele nicht für die Königsallee“ – an diesen Vorsatz erinnerten den Generalintendanten K. H. Stroux die Düsseldorfer Nachrichten. Aber „der Wortbruch“ sei ihm nicht übelzunehmen. „Der Abend erstarrte in Beifall, und die Pointen hatten es nicht leicht, sich Gehör zu verschaffen, ehe die Ovationen einsetzten“, meldet die Frankfurter „Abendpost“. In der FAZ wird besonders, der Bühnenbildner Jean-Pierre Ponnelle als Regisseur gepriesen, weil ihm „das ständig wechselnde Hin und Her aus dem ‚Muster‘ Shakespeare zum New York von heute, von altem Text zu heutigem Jazz, zu köstlichem Amüsement geriet“. Star des Abends war die Darstellerin der Bianca: Olive Moorefild. „Ponnelle hat diese New Yorker Soubrette, einen milchschokoladenfarbigen ‚Puck‘, aus Wien geholt, wo sie Deutsch gelernt hat: ein schlagfertiges, sehr witziges Deutsch ohne störende Amerikanismen – wenn auch nicht eben unser landläufiges Hochdeutsch.“ Neben ihr brillierten Günter König (Petrucchio), „der auch vortrefflich singen kann“, Wolf gang Grönebaum und Helmut Everke („Schlag nach bei Shakespeare“) und Edgar Walther (Gremio). Mit Tatjana Iwanow scheint den „Düsseldorfer Nachrichten“ die Titelrolle fehlbesetzt zu sein.

SAARBRÜCKEN (Stadttheater):