Die drei Prinzen lächelten ihr verbindlichstes Lächeln und reichten sich die Hände: ein Bild schönster Harmonie. "Unsere laotischen Brüder unter einen Hut zubringen, ist genauso schwierig, wie Krebse in einem Korb zusammenzuhalten", hatte Prinz Sihanouk, der Staatschef von Kambodscha einmal geseufzt. Nun war das Unbegreifliche Ereignis geworden: Die politischen Rivalen im Land der 1000 Elefanten – Souvannouwong, der Kommunist, Souvanna Phouma, der Neutralist, und Boun Oum, Gallionsfigur der prowestlichen Partei – erklärten sich bereit, eine Koalitionsregierung zu bilden, den Frieden im Lande wiederherzustellen und strenge außenpolitische Neutralität zu üben.

"Eine gute Botschaft", schrieb darauf Nikita Chruschtschow an Kennedy. Nun sei der Weg frei für eine friedliche Lösung des Laos-Problems. Dieser Erfolg bestärke "die Überzeugung, daß man auf dem gleichen Weg der Zusammenarbeit auch Erfolge bei der Lösung anderer internationaler Fragen erzielen kann, die heute die Staaten trennen und eine Spannung in der Welt hervorrufen". Auch Präsident Kennedy nannte die Einigung der Prinzen ermutigend; indes scheint Kennedy nicht nur daran zu zweifeln, ob die Einigung in Laos das Muster für die Regelung anderer Streitfragen abgeben kann, er traut auch in Laos dem Frieden noch nicht. "Sehr wichtig ist es", schrieb der amerikanische Präsident, "keine Aktionen zuzulassen, die den erzielten Fortschritt zunichte machen."

Immerhin, so skeptisch man die Einigung in Laos beurteilen mag, sie gilt in Washington doch als Bestätigung jener Theorie, die besagt, die Sowjetunion und die USA hätten gemeinsame Interessen, und wo dies der Fall sei – wie eben in Laos –, sei auch eine Einigung möglich. Schließlich hatten sich ja Kennedy und Chruschtschow auf ihrem Wiener Treffen grundsätzlich über die Neutralisierung von Laos verständigt und sie nun auch – nicht ohne Pressionen gegenüber den eigenen Verbündeten – durchgesetzt.

Wo aber liegen die gemeinsamen Interessen? Was die Sowjetunion angeht, so glaubt man in Washington, daß ein kommunistisches Gesamt-Laos den Sowjets im Augenblick nicht sehr gelegen kommt, weil es aller Wahrscheinlichkeit nach – wie auch Nordvietnam – zum chinesischen Teil des sozialistischen Lagers gehören würde. Die Amerikaner dagegen scheinen der Überzeugung zu sein, daß eine Neutralisierung des Landes noch das Beste ist, was ohne den massiven und risikoreichen Einsatz amerikanischer Truppen erreicht werden kann. Überdies haben sie mit ihren eigenen Schützlingen so manche Enttäuschungen erlebt – Enttäuschungen, die sie nicht gerade im Glauben bestärkten, die Sache der freien Welt sei bei den prowestlichen Führern in Laos besonders gut aufgehoben.

Nach dem Patt der Großmächte aber sind nun wieder die Laoten am Zug, die sich, freilich auch schon früher – wie weiland die Politiker der vierten französischen Republik – durch nichts und durch niemand von ihren Kabinettstückchen abhalten ließen. Immer wieder tauchten dieselben Figuren auf der Bühne auf, nur in anderer Gruppierung. Sie stritten und versöhnten sich – und das seit über zwölf Jahren, seit das Land aus der französischen Kolonialherrschaft entlassen und unabhängig wurde.

Die Wirtschaft stagnierte, der Bürgerkrieg zerriß das Land, Nachbarstaaten, Großmächte und die Vereinten Nationen versuchten, mitzumanipulieren oder helfend einzugreifen. Und wer hat dabei gewonnen? Gewiß, den Kommunisten ist es gelungen, ihr Herrschaftsgebiet auf zwei Drittel des Landes auszudehnen, aber vor der Machtübernahme mit Waffengewalt schreckten auch sie zurück. Und damit hebt sich der Vorhang zum nächsten feingesponnenen Routine- und Ränkespiel auf der laotischen Bühne. Der Hauptakteur ist, wie schon ein paarmal zuvor, Souvanna Phouma.

Der 61jährige Prinz – ein Neffe des gegenwärtigen Königs – ist erfahren in vielen Verhandlungskünsten und – wie ein französischer Politiker vor der Ära de Gaulle – in vielen Ministersesseln gerecht. Souvanna Phouma hat in Frankreich viel gelernt, wie übrigens auch sein Halbbruder, der Mit- oder besser: Gegenspieler bei der hinterindischen Haupt- und Staatsaktion, Prinz Souphanouwong, der Führer der kommunistischen Pathet-Lao-Bewegung. Aber während der spätere Guerillakämpfer im Quartier Latin mit linksradikalen Gesinnungsgenossen die Nächte durchdiskutierte, verkehrte Souvanna Phouma, damals Student an der Ecole des Traveaux Publics, in vornehmeren Kreisen, wurde ein Connaisseur der feineren und raffinierteren Genüsse, ein Weltmann, der, wie böse Zungen behaupten, französisch besser spricht als seinen Heimatdialekt, der ein Pfeifennarr ist von den Graden eines Georges Simenon und die feinen Weine und Kognaks schon an ihrer Blume erkennt. Ganz nebenbei ohne sichtbare Anstrengung – holte er sich in Paris auch sein Ingenieursdiplom.