Auch die Mannesmann AG, Düsseldorf, verdankt ihren Geschäftserfolg im vergangenen Jahre weitgehend ihren Verarbeitungsinteressen; für die reinen Montanwerke des Konzerns hieß es dagegen „kürzer treten“. Das galt nicht nur für die Kohle, deren Lage sich weiter verschlechtert hat, sondern auch für die Hütten- und Walzwerke, die – besonders im zweiten Halbjahr 1961 – in den Einflußbereich des Stahltiefs geraten sind. Aber die Vielseitigkeit der Mannesmann-Interessen hat sich wieder einmal bewährt. So ist die dem Geschäftsbericht vorangestellte Bemerkung, daß die Mannesmann AG „mit Erfolg gearbeitet hat“, zwar eine deutliche Abstufung zum Vorjahr – als es hieß, daß Mannesmann „besonders erfolgreich gearbeitet“ hatte –; aber auch dieser Abschluß kann sich sehen lassen. Denn Einschränkungen können nur gelten, wenn das vorangegangene Geschäftsjahr 1960 – das nicht nur den weiterverarbeitenden Werken, sondern vor allem auch der Eisenseite des Konzerns so besonders gut zu Gesicht gestanden hatte – als Maßstab herangezogen wird.

Mit der bei Mannesmann traditionellen Dividendenfreudigkeit zu brechen, sah sich die Verwaltung im Berichtsjahre nicht genötigt. Die Aktionäre erhalten mit 14 % eine zwar-unveränderte, aber durchaus angemessene Dividende, die auch in diesem Jahre wiederum bei dem Spitzensatz in der Montanindustrie bleibt. Mannesmann muß immerhin das in der westdeutschen Grundstoffindustrie höchste Kapital von 580 Mill. DM verzinsen, und das bedeutet bei 14 % einen Dividendenbetrag von 81,1 Mill. DM. Bei anderen vergleichbaren Konzernen der Branche ist der Ausschüttungsbetrag ganz erheblich geringer. Bei Mannesmann geht die Aufrechterhaltung der Dividende zu Lasten der Rücklagendotierung, die diesmal auf 20 nach 30 Mill. DM im Vorjahre beschränkt bleibt. Das ist zweifellos weniger als im Vorjahr und weniger auch, als Vorstand und Aufsichtsrat angesichts der vorliegenden Investitionspläne für „wünschenswert“ halten. Dabei ist aber auch zu berücksichtigen, daß Mannesmann alle sich bietenden Gewinnverwendungsmöglichkeiten vorweg wahrgenommen hat, so daß da sicherlich keine nennenswerten Wünsche offen geblieben sind. Einigermaßen exakt zu bestimmen, welchen Umfang der Ertragsrückgang im vergangenen Geschäftsjahr hatte, ist problematisch; denn die Verwaltung war mit zusätzlichen Erläuterungen hierzu mehr als zurückhaltend.

In der konsolidierten Ertragsrechnung werden Umsatzerlöse mit 4,109 (4,079) Mrd. DM ausgewiesen. Organerträge sind auf 3,8 (1,9) und Beteiligungserträge auf 7,1 (5,1) Mill. DM angestiegen. Auf der anderen Seite sind aber die Lohnkosten um 59 Mill. DM heraufgegangen, und für Organverluste mußten im Berichtsjahre auch rund 2 Mill. DM mehr aufgewendet werden. Wenn die sonstigen Aufwendungen als echte variable Größe auf weniger als die Hälfte – von 76 auf 35 Mill. DM – zurückgegangen sind, so zeigt sich darin mit einiger Sicherheit, daß das Ergebnis kleiner war.

Das Umsatzvolumen der Mannesmann-Gruppe mit allen in- und ausländischen Tochtergesellschaften hat sich im Berichtsjahr nochmals geringfügig ausgeweitet. Der Fremdumsatz betrug nach einer Steigerung um 1,7 % 3,596 (3,535) Mrd. DM, und im Konsolidierungsbereich sind 3,225 (3,174) Mrd. DM erzielt worden. Die Zuwachsraten sind zusammengeschrumpft, weil die reinen Montangesellschaften des Konzerns Umsatzrückgänge zu verzeichnen hatten. Der Fremdumsatz an Kohle, Erz und Rohstoffen verringerte sich auf 317 (336) und der Walzstahlabsatz auf 532 (558) Mill. DM. Auch der Export blieb mit 875 (883) Mill. DM unter der Vorjahrsgrenze. Ein kräftiges Plus hatten aber die Tochtergesellschaften der Weiterverarbeitung, die mit 646 (584) Mill. DM nunmehr 25,1 (22,8) % des Konzerngeschäftes bestreiten. Rechnet man dazu noch die Rohrproduktion, die mit 40,7 % vom Umsatz die bedeutsamste Mannesmann-Sparte darstellt und eigentlich auch zur Weiterverarbeitung zählt, dann kommt das Unternehmen auf eine ganz ansehnliche nichtmontane Quote, die für die Beurteilung seiner Chancen interessant ist. Daß die weiterverarbeitenden Werke gegenwärtig bei Mannesmann das Rennen machen, geht aus der Bemerkung von Vorstandsvorsitzer Dr. Hermann Winkhaus hervor, wonach der Ergebnisanteil dieser Konzernwerke erheblich über deren Anteil am Umsatz hinausgeht.

Günstige Nachrichten gab die Muttergesellschaft auch über ihre Auslandstöchter bekannt. Vor allem in Brasilien ist Mannesmann mit gutem Erfolg tätig. Auch die Mannesmann-Sümerbank Boru Endüstrisi, Izmit (Türkei), konnte ein gutes Ergebnis erzielen, während die kanadische Röhrentochter, die Mannesmann Tube Co. Ltd. Sault te., Marie/Ontario, zwar immer noch gedrosselt produzieren mußte, aber auch mit einem Gewinn abschließen konnte.

Das Sorgenkind Kohle hat im Mannesmann-Bereich weniger Bedeutung als bei anderen Konzernen. Nur rund 5 % des Konzernumsatzes entfallen auf den Kohlenabsatz, wobei die Mengen für den Werkselbstverbrauch nicht eingerechnet werden. Die relativ hohen Bergbau-Investitionen der vergangenen Jahre haben außerdem ihre Früchte getragen, so daß Mannesmann der Entwicklung mit einiger Gelassenheit begegnen kann. Daß die Bergbau-Betriebe im Berichtsjahr positiv zum Ergebnis beigetragen haben, kommt nicht von ungefähr. Im übrigen fühlt Mannesmann sich auch als bisher einzige Zechengesellschaft an der Ruhr stark genug, ohne den von Luxemburg verbotenen Gemeinschaftsverkauf Ruhrkohle auszukommen. Mannesmann sei jederzeit bereit, so erklärte Generaldirektor Winkhaus vor der Presse, die Außenseiterposition zu übernehmen und damit eine montanvertragskonforme Lösung zu ermöglichen.

Die Investitionstätigkeit hat auch bei Mannesmann im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Höhepunkt erreicht. Mit einem Aufwand von rund 250 Mill. DM gehen die Investitionen erstmals um 100 Mill. DM über das Abschreibungsvolumen hinaus. Dabei wird es in etwa auch im laufenden Jahre bleiben. Aber das Thema Investitionen in der westdeutschen Stahlindustrie ist um ein bemerkenswertes Kapitel bereichert worden. Die Mannesmann-Verwaltung hat jetzt über eine enge Zusammenarbeit mit der August-Thyssen-Hütte AG und der Hüttenwerke Oberhausen AG berichtet. In einem Dreiecksvertrag ist eine Abstimmung der Investitionen auf dem Warmbreitband- und Feinblechgebiet festgelegt worden. Die Zusammenarbeit ist zunächst auf acht Jahre beschlossen worden, eine Verlängerungsmöglichkeit des Vertrages besteht. Auf diese Weise werden nicht nur Investitionsmittel gespart, sondern vor allem auch drohende Überkapazitäten vermieden. Die freiwillige überbetriebliche Abstimmung scheint uns ein gutes Regulativ. Ingrid Neumann