Was verbindet uns Deutsche? Eine Antwort ist sicher: die Liebe zur „Schnulze“.

Da bringt der Kölner Deutschlandfunk die „Musikbox“, ein Wunschkonzert, das Grüße von Westdeutschen an Zonenbewohner und umgekehrt ausrichtet. (Und von Mitteldeutschen untereinander.) Jeden zweiten Freitag auf Langer Welle. Diese Sendung ist eine „klassische“ Sammlung deutschen Kitsches. „Ich schau den weißen Wolken nach“, so tönt es weich. Aber auch „Heimat deine Sterne“ ist noch vertreten.

Und doch ist die „Musikbox“ hörenswert. So viele Beziehungen immer noch durch ganz Deutschland! Da verliest die Sprecherin Ilse Rehbein Grüße von „Mutti in Hamburg“ an ihren Sohn „Rudolf in Jüterbog“, Wünsche von Fritz in Nürnberg „an die Eltern und Geschwister in Schwerin und Brandenburg/Havel“ und „von Jürgen in Hannover an seinen Freund Peter in Chemnitz“ (drüben heißt es „Karl-Marx-Stadt“) und „für Ingrid in Oschatz von Günter in Köln“ oder „von Klein-Petra in Stralsund an ihre Oma in Hamburg“. Die Großeltern in Osnabrück lassen für Jürgen und Erika in Magdeburg „zum freudigen Ereignis“ den „Babysitter-Boogie“ spielen, und an „Karin in Mühlhausen“ geht von ihrem Verlobten in Oberhausen der Schlagerwunsch: „Wir wollen niemals auseinandergehn.“ Andere Paare sagen einander per Funk: „Du fehlst mir so sehr“ und „Irgendwo gibt’s ein Wiedersehn!“ Schlagergegen die deutsche Teilung...

Viele Westdeutsche können bei Ilse Rehbein Nachhilfestunden in mitteldeutscher Geographie nehmen. Pasewalk und Perleberg, Ludwigslust und Wittenberge, Friedrichroda, Grimma, Zwickau, Forst und Guben – wer weiß noch, wo sie liegen?

Die Bundesrepublikaner, die von „drüben“ kommen, denken bei diesen Namen an Mecklenburgs Seen, an die Kiefern der Mark, die Burgen der Saale, die Kanäle des Spreewalds, die Berge und Wälder Thüringens. Und prompt beginnt der Schlager: „Eine Reise in den Süden ist für andre schick und fein, doch die beiden Italiener möchten gern zu Hause sein.“ Und gleich danach erklingt’s über die Zonengrenze: „Kanada, kennst du Kanada?“

H. P. B