FÜR die Ferien –

Alfred Kern „Die Welt im Licht“, herausgegeben von Friedrich Luft; Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln; 447 S., 18,50 DM.

ES ENTHÄLT nur einen Teil des dereinst unter dem Titel „Die Welt im Licht“ erschienenen Reisebuches jenes „anderen Kerr“, der weniger bekannt geworden ist als der Theaterkritiker Kerr mit seiner „Welt im Drama“. Es enthält eine kluge Auswahl aus allem, was Kerr außer Theaterkritiken noch geschrieben hat: Landschaftsschilderungen (von Bonn bis Breslau, von Paris bis Smyrna), „Berlinisches um 1900“ (vom Brief eines kleinen Mädchens bis zum Testament eines Berliners), Menschenbilder (von der Friseurin Frau Kugler bis zum Dichter Klabund) und Polemik (gegen Thomas Mann, Karl Kraus, Jakob Wassermann, Maximilian Harden und viele andere, wie zum Beispiel den Berliner Polizeipräsidenten). Es enthält ein treffliches Nachwort von Friedrich Luft. Es enthält die berühmte Absage an Gerhart Hauptmann („Sein Andenken soll verscharrt sein unter Disteln, sein Bild begraben im Staub“), die nicht gelesen zu haben sich niemand leisten kann, der in diesem Jahr Festreden über Hauptmann zu halten oder sich anzuhören gedenkt.

ES GEFÄLLT nicht nur als gelungene Auswahl, charakteristisch für einen der Großen im deutschen Journalismus zwischen den beiden Kriegen, neben Karl Kraus, Alfred Polgar und Kurt Tucholsky. Es gefällt als Ferienlektüre vor allem wegen des Kerr-Stils, der es erlaubt, nein: nahelegt, immer wieder mittendrin aufzuhören, immer wieder mittendrin anzufangen. Man erfährt dabei aufs anregendste eine Menge über die Welt, aus der die Welt stammt, in der wir leben. -a.e.