Rekordjahre sind im Bauspargeschäft nichts Ungewöhnliches. Schon gar nicht bei einer Gesellschaft mit einer so starken Marktposition wie die Bausparkasse Gemeinschaft der Freunde Wüstenrot eGmbH, Ludwigsburg/Württ., die Jahr für Jahr etwa 40 % des Neuzugangs aller 17 privaten Bausparkassen auf sich vereinigt. Und doch verdient das Jahr 1961, für das jetzt der Bericht vorgelegt worden ist, mehr als seine Vorgänger dieses Prädikat. Dies gilt allerdings weniger für das Neugeschäft, das mit 142 677 (i. V. 134 275) Verträgen über 3,1 (2,9) Mrd. DM mit 9,1 % die gleiche prozentuale Steigerung aufweist wie im Jahr zuvor. Eindrucksvoller sind vielmehr die Baugeldauszahlungen, die „trotz der mannigfachen Schwierigkeiten auf dem Baumarkt“ mit 1,3 (1,0) Mrd. DM fast an den Geldeingang von annähernd 1,4 (1,2) Mrd. DM herankamen. Daß man in Ludwigsburg darauf besonders stolz ist, liegt auf der Hand: Baudarlehen sind nun einmal die beste Anlage für Bauspareinlagen, auch dann, wenn es einer Kasse gelingt, ihre sogenannte Trägheitsreserve aus vorübergehend nicht benötigten Mitteln zu den bestmöglichen Zinssätzen als Bankguthaben unterzubringen.

Ohne eine verstärkte Gewährung von Zwischenkrediten wäre das bereitgestellte Baugeld allerdings wohl sehr viel langsamer abgeflossen. Die Kasse bewilligte 1961 nämlich allein 925,7 (801,0) Mill. DM Zwischenkredite, von denen bis zum Jahresende 544,2 (384,0) Mill. DM durch reguläre Zuteilungen abgelöst wurden. In der Bilanz, die sich auf 3,3 (2,7) Mill. DM verlängerte, erscheinen denn auch die Zwischenkredite mit 795,7 (470,6) Mill. DM, das ist weit mehr als die Hälfte der von allen privaten Bausparkassen Ende 1961 ausgeliehenen Zwischenkredite. Von Vorteil waren die Zwischenkredite allerdings nicht nur für eilige Bausparer. Auch die Kasse profitierte davon. Daß sich der Überschuß im ordentlichen Geschäft auf 53,4 (39,9) Mill. DM erhöhte, ist nicht zuletzt dem lebhaften Zwischenkreditgeschäft zu danken. Und da der „Schwäbische Bauspar-Riese“ satzungsgemäß auf eine Gewinnausschüttung verzichtet, kam die Ertragssteigerung neben der zwangsläufig gewachsenen „Beteiligung“ des Fiskus – die Steuern erforderten 18,2 (14,5) Mill. DM – voll der inneren Stärkung zugute.

Die Struktur des Bestandes mit insgesamt rund 850 000 Verträgen über eine Bausparsumme von 15,9 Mrd. DM ist nach wie vor durch kleinere und mittlere Verträge gekennzeichnet. Aufschlußreich ist insbesondere die berufliche Gliederung der Darlehensnehmer: von den 1961 gewährten Darlehen gingen 70,7 (68,9) % an unselbständig Beschäftigte; allein die Gruppe der Arbeiter war mit 41,7 (36,9)% an den Darlehensgewährungen beteiligt. Dieses Bild dürfte sich auch dadurch nicht nennenswert verändern, daß die Kasse mit Genehmigung des Bundesaufsichtsamtes für das Versicherungs- und Bausparwesen künftig einen neuen, an größeren Verträgen interessierten Kreis ansprechen will: die Gemeinden. „Gegenstand von Wüstenrot-Bausparverträgen kann nunmehr auch die Finanzierung von Geländeerschließungen und Folgeeinrichtungen des Wohnungsbaus, wie Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten, Turnhallen usw. sein“, heißt es hierzu in einer Presseverlautbarung. Die Gesellschaft hat damit, nachdem sie bereits vor einigen Monaten mit länger laufenden Bauspardarlehen ihr Geschäft „nach unten“ (kleine Einkommensbezieher, denen die Normaltilgung zu hoch ist), erweiterte, die geschäftspolitischen Grenzen auch „nach oben“ ausgedehnt.

Das neue Geschäftsjahr ist bisher zufriedenstellend verlaufen. Mitte Juni hatte die Zahl der Bausparer nach Mitteilung der Verwaltung annähernd 900 000 erreicht. Bis Ende 1961 hatte „Wüstenrot“ insgesamt 6,1 Mrd. DM für den Wohnungsbau und andere wohnungswirtschaftliche Zwecke bereitgestellt und damit die Finanzierung von 457 520 Wohnungen ermöglicht. lz