Vergleicht man Wilhelms II. Rede von 1901 mit denen Hitlers von 1937 und 1938, so könnte es scheinen, als habe sich in der Sache nicht allzuviel geändert. Die Tonart jedoch war barbarischer geworden. An die Stelle pathetischer Forderungen waren gewalttätige Drohungen getreten, wie sie einem Regime entsprachen, bei dem Bücherverbrennungen von Anfang an zu den Methoden des Umgangs mit Geisteswerken gehörten. Im fünften Jahr der Nazidiktatur hatte Hitler bei der Eröffnung des Hauses der Deutschen Kunst in München Zeit und Gelegenheit gefunden, zu proklamieren, was er seine nationalsozialistische Kunsttheorie nannte.

„Wenn ich mir nun anmaße“, erklärte der gescheiterte ‚Kunstmaler‘, „hier ein Urteil abzugeben, meine Auffassungen zu äußern und entsprechend diesen Erkenntnissen zu handeln, dann nehme ich das Recht hierzu nicht nur aus meiner Einstellung zur deutschen Kunst überhaupt, sondern vor allem aus meinem eigenen Beitrag, den ich für die Wiederherstellung der deutschen Kunst geleistet habe.“

Der „entarteten Kunst“, dem Kubismus, Dadaismus, Futurismus, Impressionismus usw.“ – sie haben mit dem deutschen Volke nichts zu tun!“ –, stellte Hitler die kommende deutsche Kunst gegenüber und verkündete die kulturelle Erhebung, die Reinigung der Kunst und das Ende der Kunstvernarrung und Kulturvernichtung unseres Volkes. Die Kernsätze der „Führerreden“:

„Es gibt nun einmal kein stolzeres Dokument für das höchste Lebensrecht eines Volkes, als dessen kulturelle Leistungen. Ich war daher auch immer entschlossen – wenn das Schicksal uns einmal die Macht geben würde –, über diese Dinge mit niemandem zu diskutieren, sondern auch hier Entscheidungen zu treffen.“

„Ich kam zu dem Entschluß, einen harten Strich zu ziehen und der neuen deutschen Kunst die einzig mögliche Aufgabe zu stellen: sie zu zwingen, den durch die nationalsozialistische Revolution dem neuen deutschen Leben zugewiesenen Weg ebenfalls einzuhalten.“

„Ich habe es für notwendig erachtet, für den anständigen ehrlichen Durchschnitt den Weg frei zu machen

„Das allgemeine Kunstgut eines Volkes muß auf einer soliden, anständigen Grundlage gehalten werden, aus der heraus sich dann die wirklichen Genies zu erheben vermögen.“