Nicht voll befriedigend – das ist das Prädikat, das der Deutsche Sparkassen- und Giroverband e.V. in seinem dieser Tage veröffentlichten Bericht dem Jahr 1961 erteilt. Diese ebenso nüchterne wie enttäuschende Bewertung kommt nicht von ungefähr: Die 865 bundesdeutschen Sparkassen mußten 1961 mitansehen, wie dem traditionellen Kontensparen von der „Konkurrenz“ der Rang abgelaufen wurde. Während die Nettoersparnis/der Privaten auf den Sparkonten der Sparkassen mit rund 4 Mrd. DM um 10,6 % unter dem Vorjahresergebnis zurückblieb, wartete das Versicherungs- und das Bausparen mit stattlichen Zuwachsraten von 18,4 und 14,8 % auf. Mehr noch: mit einer Nettosparleistung von 4,5 Mrd. DM überrundeten die 31 privaten und öffentlichen Bausparkassen erstmals die private Ersparnis auf den rund 30,8 Millionen Sparkonten der Sparkassen. Und dies gleich mit einer halben Milliarde! Kein Wunder, daß der Sparkassenverband in seinem Bericht die Frage stellt, „ob diese auffallende Tendenz die normale Entwicklungsrichtung des privaten Sparprozesses widerspiegelt oder ob sie nicht durch einseitig wirkende Sparförderungsmaßnahmen übersteigert wird“.

Die Sparkassen haben natürlich auch eine Antwort parat, in der sie offensichtlich die Gewähr dafür sehen, künftig wieder den Anschluß zu finden: Die materielle Gleichstellung des Prämienbegünstigten Vertragssparens mit den Förderungsmaßnahmen beim Bausparen. Inzwischen konnten sie sogar einen, sie allerdings wenig befriedigenden Teilerfolg verbuchen. Das Sparprämiengesetz soll für weitere fünf Jahre verlängert und – verbessert werden. Den Gesetzgeber konnte man bislang jedoch noch nicht ganz von der Gleichwertigkeit zwischen diesen beiden Sparformen überzeugen. Das Haus, genauer das Eigenheim ist heute offenbar doch das bessere Argument, wenn es darum geht, Steuergroschen zur Förderung der Spar- und Vermögensbildung zu mobilisieren. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, daß die Sparkassen nur in einem Punkt mit dem vergangenen Jahr voll zufrieden waren: mit dem prämienbegünstigten Sparen, das 576 000 neue Verträge und eine betragsmäßige Steigerung um 35 % auf 807 Mill. DM brachte.

Wenn auch die Sparkassen mit einigem Stolz darauf hinweisen, daß es ihnen innerhalb von zweieinhalb Jahren gelungen sei, 2,13 Millionen prämienbegünstigte Konten an sich zu ziehen, so ist dieser Markt sicher noch längst nicht erschöpft. Dies um so weniger, als die 2,13 Millionen eine Tatsache verhüllen, nämlich die, daß die Zahl der prämienbegünstigten Sparer sehr viel kleiner ist, da der mit der „Technik“ vertraute Sparer bekanntlich den allgemeinen Sparvertrag dem Ratensparvertrag vorzieht und auf diese Weise Sparverträge „sammelt“. So ist es denn auch zu verstehen, daß das Schwergewicht im prämienbegünstigten Sparen bei allgemeinen Sparverträgen mit einer einmaligen Einzahlung liegt. Auf sie entfielen 1961 allein 57 % des Gesamtzugangs. er.